Prass & Verdruss

Ein aufgeblähter Haufen an Gedanken, Tag & Nacht. Es geht nicht um Luxus oder darum das Geld aus dem Fenster zu werfen, vielmehr ist da Ärger in mir. Ich habe ein Projekt angestoßen und ich habe mich schon im Bali Rock über den Boden einer Schulsporthalle schweben sehen, jetzt bin ich im Verdruss, weil alle meine Ideen unerhört bleiben.

Ein schwarzes Loch an Gedanken, tausend Bewerbungen und kein Ende. Das mit der Chemie Schiene scheint ausgespielt, mir liegt das sowieso nicht so genau, wenn die 2. Stelle nach dem Komma darüber entscheidet ob der Kessel explodiert oder ob die Reaktion gelingt.

Wahrscheinlich habe ich das sogar selbst gesagt, der Karren ist vor die Wand gefahren oder gehört gerade noch so aus dem Dreck gezogen. Ich zähle die Monate schon, über 6 Monate, ein halbes Jahr schon, das ist eine Lücke im Lebenslauf, mein Profil ist nun wertlos. Von Arbeitsvermittlern werde ich kontaktiert, ob ich es auch in 3 Schichten für 20 € die Stunde machen würde, aber nur 18 Monate lang, mit hoher Übernahmegarantie.

In Deutschland braucht man für alles einen Nachweis, die rote Karte, viele Zertifikate für die Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung, neueste EDV-Kenntnisse, einen Führerschein und am besten noch ein eigenes Auto. Das was ich wirklich kann oder glaube zu können steht in keinem Lebenslauf. Empathie, ein Problem sehen und eine Lösung draus entwickeln, mit einer Katze auf der Rückbank die kürzeste Route durch Berlin wählen. Ich schreibe Sätze wie ein echter Teamplayer zu sein der in komplexen Situationen den Überblick behält oder etwas von einer strategisch analytischen Arbeitsweise die schnell zu einem erfolgreichen Ergebnis führt. Gehört oder gesehen wird das nicht.

Die Leute sollen arm sein sagt man mir. Ich sehe das nicht. Im Supermarkt sind die Wagen voller Konsumprodukte, hochverarbeitete Lebensmittel zu überteuerten Kilopreisen. Ich stehe vorm Regal und drehe den Euro gedanklich zweimal um, diskutiere mit mir selbst über Kilogramm Preise für Apfelmus und überlege ob ich es vom Grundprodukt herdenke und mir die Äpfel selbst zu Apfelkompott zusammenschmore. Alles was ich anfasse gelingt mir, das Chili con Carne mit tiefer Würze aus Chili und Schokolade oder den Kohl den mich mit Essing und Kümmel zu wunderbarem Glanz zusammengeschmort habe. Ich kann aus wenigen Zutaten ein schmackhaftes Essen kochen ohne das ich dafür ein Zertifikat habe. Eigentlich gehöre ich in die Küche, aber wen interessiert das schon.

Die Reise ist abgeschlossen und es hat Fragen aufgeworfen. Die Zeit in Werdau steht still, 3 Tage habe ich mich in tiefer Ruhe einer mysteriösen Langsamkeit hingegeben. Ganz ruhig bin ich zum Klassentreffen gegangen, 20 Jahre nach dem Abitur und gut 25 Jahre nach ganz anderen Erlebnissen. Auffällig freundlich aber kaum neugierig war man gewesen, dabei hatte meine Mutter mich vorab noch gewarnt, da wird geredet über die ersten Kinder, die schöne Frau, ob man nun Android oder Apple nutzt, den Job der all das finanziert. Was erzählst du nun, das Thema Arbeitslosigkeit vermeiden, mit der Weltreise besser nicht zu viel prassen, am besten ganz allgemein ein paar Hobbys anschneiden und unauffällig durch den Abend gleiten.

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Die Dynamik eines anderen Lebens

Das Leben ist ein Rollenspiel und gerade spiele ich die Rolles eines Arbeitslosen Akademikers mit Minijob. Mein Status ist weit gesunken, zum Gespräch für ein zwielichtiges Seminar da reicht es noch, aber wenn rauskommt das ich Verfahrenstechniker sein will aber noch nie an einer Spritzgussmaschine stand da herrscht Schweigen im Raum.

Ich habe beschlossen die Dinge von ganz aktuell bis zu den Gedanken von vor 2-3 Wochen aufzurollen. Erst war ich skeptisch und fast war es mir peinlich, am Ende hat sich beim Lach Yoga eine Dynamik entwickelt, bei der man sich kaum noch auf dem Stihl halten.

Ich habe es mit Ironie probiert, bin auf der Rampe in ein Lager vorgedrungen, habe eine Kiste gesucht und wurde von der Haustechnik verwarnt, plötzlich war man ganz ernst zu mir, dabei liebe ich es Grenzen auszutesten, Türen zu öffnen, Schränke zu inspizieren und Schwachstellen aufzudecken die offensichtlicher nicht sein könnten.

Genau das ist meine Stärke, aber schreib das mal in einen Lebenslauf, meine Stärke ist es fremde Gespräche mitzuhören, überall zu spionieren und Schwachstellen aufzudecken, das kommt wahrscheinlich nicht gut an.

Der große Held wollte ich sein, bin mit Geld zum Pokertisch gegangen und habe den starken Männern gegenübergesessen, bin aber in der Dynamik des Spiels untergegangen, tags zuvor habe ich einen neuen Spieleclub getestet, Atmosphäre und Chemie haben dort aber überhaupt nicht gestimmt.

In meinem Kopf habe ich die Tage sortiert, wann und wo spiele ich am Brett, wann lasse ich den Pickleball fliege, wie Willkommen und wichtig ist Badminton überhaupt noch, wann und wo gehe ich etwas bestimmtes essen, wann entdecke ich Berlin und sein Umland und wann wage ich es doch wieder mal mit einer Bewerbung oder gar einem Gespräch.

Im September 2026 jährt sich ein Jubiläum ganz unauffällig. 10 Jahre nun schon im Friedrichshain, ein ganzes Jahr davon in einer interessanten und turbulenten Partnerschaft, danach immer irgendwie allein und Single, warum das genauso ist darauf konnte ich auch in Nürnberg keine Antwort finden. Ich habe schlicht und ergreifend niemanden gefragt, bin gut geplant und dann dennoch einfach losgefahren, habe die Museen bis zum letzten Winkel erkundet und zwischen alten Vasen gedanklich erschöpft nach Antworten auf viele Fragen gesucht.

Irgendjemand wollte mir einreden, dass es ein Fehler war im Juli alles offenzulegen und der nächste hat gesagt probiere es im September bleich noch mal, der will beschissen werden nur Mut es wird ein erfolgreiches Ende nehmen.

Grundsätzlich ist jetzt der Herbst angekommen, als am 1. September diese unheimliche Mischung aus der letzten Hitze der Stadt, dem ersten scharfen Herbstwind und dieser süßverlockende Duft von Lush in der Luft lag, da wusste ich, jetzt ist es soweit.

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Immer in mir drin

Alles nimmt irgendwann seinen Anfang, am Anfang nur der Name und die Gewissheit wir sind hier am selben Ort für dasselbe Ziel und den gleichen Spaß, irgendwann ein paar mehr pauschale Fragen über die immer üblich gleichen Themen, wo man eigentlich herkommt, was einen treibt oder hält hier zu Leben und wo genau überhaupt und ganz wichtig wie hoch die Miete da eigentlich ist und dann „ach das geht ja eigentlich“, und Neukölln hat ja auch schöne Ecken, ein Darkroom hat auch schöne Ecken, ist halt nur ein bisschen dunkel da.


Und dann ist da nach einigen Monaten plötzlich etwas mehr, das ist dann der Moment wo man merkt ach die hält mit ihr Händchen, das hätte ich ja gar nicht erwartet und er mag Kinder Bonbon das ist ja ziemlich süß, das ist dann dieser soziale Kitt, der ist am Anfang noch schwach und locker und irgendwann wird er härter und meist dauert es Jahre dann ist er hart wie Beton, in anderen Fällen gibt es immer wieder mal Risse drin die kann man fügen oder sie brechen auf ganz schnell. In anderen Fällen gibt es dann diesen Tropfen der das Fass zum Überlaufen bringt, manchmal nur für 24h und in anderen Fällen ist es irgendwann nicht mehr reparabel.


Immer unterstellen die Leute mir ich habe was, in der einen Woche ADHS, in der nächsten Autismus, Fomo und übertriebene Homosexualität. Ich kann kaum noch eine Woche erleben in der einfach alles normal läuft. Allein dieses Wochenende war mit 2 Skandalen überhäuft. Kaum bin ich ein paar Stunden offline, weil ich einfach nur Sport treiben möchte schon wieder hat man im Hintergrund über mich diskutiert. Jemand sagte einmal ich sei wie ein Magnet. Jahrelang war ich gut darin nicht nur Freundschaften zu pflegen, sondern auch über Grenzen hinaus zu vermitteln und auf einmal eskaliert es wegen politischen Meinungen, wegen meinem Lebensstil der so sagen es einige nach meiner Weltreise vollkommen aus den Fugen geraten ist.

So schlimm finde ich das alles gar nicht, mittlerweile bin ich es etwas Leid das es genauso ist. Am Ende sind viele gut gemeinte Ratschläge gut und schön, mittlerweile artet das aber auch in Macht und Kontrolle aus, am Ende treffe die Entscheidung immer noch ich und wie man es dreht und wendet allen recht machen kann man es nicht.

Ich habe ein neues Experiment gestartet, manchmal muss man die Leute mit dem unerwarteten konfrontieren. Mittlerweile suche ich gar nicht mehr. Ich führe ein Geschäft und zwar mein eigenes, da geht es um Verwaltung und Vermögen, ja es geht um mich, das ist ein bisschen Witz und Ironie, und irgendwie ganz gut. Ich bin schon ganz gespannt auf die nächste Woche, da wird mir mal wieder ein Vertrag vorgelegt, ein paar A4 Seiten wo es eigentlich um genau das geht was ich hasse, um Macht und Kontrolle und darüber mich an den unbeliebten Rand zu drängen, der mein Leben einschränken würde. Wenn es so kommt wie ich vermute sende ich ein überraschendes Nein und verschwinde auf dem Pickleball Court, dann bin ich schon gespannt ob viele dumm aus der Wäsche gucken.

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Zwischen abgehackt und vorgenommen

„Die Zeit sie wartet nicht sie gräbt sich ein in mein Gesicht mit jeder neuen Stunde.“


aus „Jede Stunde“ von Karat


Ein kurzer Streifzug in den Westen der Republik liegt hinter mir. Gefühlt jede Stunde habe ich meinen Plan geändert. Was von Anfang an feststand, dass ich die bunten Punkte von einer der herausragendsten zeitgenössischsten Künstlerinnen der aktuellen Zeut „Yayoi Kusama“ bestaunen werde. Fast eine halbe Million Menschen betrachten Kunst von einer Frau, die sich seit 1977 freiwillig in einer psychiatrischen Einrichtung befindet. Und so bin ich in der Ausstellung einmal hoch und runter gesteift, habe mich in den Punktmustern verloren und bin am Ende froh, das ich mit etwas Glück noch ein Ticket über Kleinanzeigen ergattern konnte, sodass die Reise nach Köln nicht komplett in einem Desaster endete.


Die Hitze der Stadt ist mir zu Kopf gestiegen, direkt am zweiten Tag musste ich mich abkühlen in dem überaus interessanten Kölner Stadtmuseum, anschließend habe ich beim Italiener Bolognese gegessen und im Museum für angewandte Kunst über Schmuck, Bauhaus und Minimalismus nachgedacht.


Im Pottkind habe ich mich durch 6 vollständige Gänge und 4 Kleinigkeiten, alles Überraschungen, ein Carte Blanche Menü gefuttert. Wann hat man das schon mal in einer Welt in der man danach strebt alles schon im Voraus wissen zu wollen.


Nach einer Empfehlung habe ich mich am nächsten Tag in Bonn wieder gefunden, mich tief mit der deutschen Geschichte ab 1945 bis zur heutigen Zeit auseinandergesetzt und später am Bahnhof ein überraschend erfrischendes Gespräch über Mobilität und meinen Scooter geführt.


Jetzt zurück in Berlin feile ich daran unter 80 kg zu gelangen, ein Abo und das klare Bekenntnis bis zu 4x in der Woche Pickleball zu spielen setzen den Trend einer leichten Fettabnahme und Muskelaufbau fort. Der Rhythmus einer Woche er baut sich so langsam auf. 2 Tage an der Woche zur Arbeit, ein Mittag für den Genuss, spontane Ideen zwischen Trödel, Currywurst und spannende Begegnungen zu Zeiten die ich früher nie hatte.


Die twinks die ich date sind jetzt Männer mit Mustache geworden, die Bauchtasche locker über die Schulter geschwungen, immer griffbereit ein Suchtmittel. Ist es wirklich verrückt in einer Stadt wie Berlin zu leben und nie Kontakt zu Drogen gehabt zu haben, kein Rauch durch die Lunge blasen, keine Substanzerweiterung egal ob leichtflüchtig oder in Tablettenform gepresst. Einen kleinen Rausch hatte ich diese Woche nach 2 tropischen Cocktails, erst ein paar scharfe Nudeln schlürfen und dann kurz nach Thailand und einen Tom Yum Martini und danach mit dem grünen wilden Drachen spielen.


Abgehackt ist das alles, neu geplant sind Ausflüge zwischen grün und Großstadt und in ein neues Bundesland.

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Smaragd

Ich bin ja in letzter Zeit häufiger tagsüber unterwegs, in Berlin einer Stadt der grenzenlosen Freiheit, arm aber sexy, mit einer Arbeitslosenquote im Juni von 10,2 %. Die Stadt scheint nach wie vor voll mit durchgedrehten Kreaturen und so konnte ich von einer dieser den schönen Satz über Rubine und Smaragde und der Hund das versteht doch kein Schwein aufschnappen.


Berlin, eine Stadt die laut Karl Scheffler von 1910 eine Stadt ist, die verdammt ist, immerfort zu werden und niemals zu sein. Aktuell ist es für mich ein zäher Kampf in einer modernen, globalisierten Metropole genau den richtigen Platz zu finden. Es ist der harte Kontrast von mehreren Hundert Euro die in Sekunden schnelle verloren gehen und legendären Internet Sätzen wie, die Leute rauchen Crack in der U-Bahn. Von Momenten wo ein Haarschnitt am Sonntag im Dong-Xuan-Center nur 12 € kostet, der billigste in Berlin, der aber auch langweilig und uninspiriert ausschaut, vielleicht mache ich mit etwas Wachs und blond noch etwas draus. Es ist dieses wunderschöne Gleichnis von John Ruskin was mir in Form eines Schildes an einem Geschäft diese Woche begegnet ist. Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen

Deswegen ist es folgerichtig das ich mir es diese Woche das erste mal erlaubt ein Angebot auszuschlagen, nicht wegen der nackten Zahlen auf dem Vertragsentwurf, damit hätte man sich schon irgendwie arrangieren können, sondern mehr wegen klaren juristischen Fehlern. Wer schreibt das Überstunden mit dem Gehalt schon abgegolten sind hat oft einen Hintergedanken dabei, wer für ein Angebot selbst 10 Tage braucht aber innerhalb von 48h eine Rückmeldung braucht, der kommuniziert falsch oder zu mindestens nicht so wie ich mir das vorstelle. Am Ende war es mehr ein Gefühl nein zu sagen als die nackten Zahlen.

Die Idee von mehr offline ist mal wieder in mir durchgebrochen, 2 Wochen bin ich um das Zeit Campus Magazin – Endlich offline. Mit dem Smartphone fühlen wir uns oft erschöpft, ohne uns fühlen wir uns nackt herumgeschlichen, dann habe ich es doch gekauft.
Nackt fühlte ich mich am Montag als ich auf dem Weg zum Pickleball feststellen musste das ich mein Smartphone zu Hause liegen lassen habe, also rein in die S Bahn und ab auf den Platz. Das der Montag sich zu einem Rausch mit 3,5h Pickleball entwickeln sollte, wer hätte das gedacht, das der Minijob für den ich gerade im Büro arbeite 3h Arbeit komplett offline und ohne digitale Lösungen Arbeit für mich bereithält, was für eine nette Überraschung. Und so sortiere ich Post, arbeite mich durch ausgedruckte Listen, scanne Briefe, na gut so ganz komplett ohne digital geht es dann doch nicht. Das ich mich dabei in einen wahren Rausch arbeite kommt nicht ganz von ungefähr, ich habe das schon immer geliebt mich mit einer Sache ganz intensiv auseinanderzusetzen. Ob als Kind bei dem, Arcade Rennspiel Re-Volt kleine Spielezeug Autos durch einen Parkour an Spielzeugen und Hindernissen zu lenken oder jetzt beim Sortieren von Briefen, für mich zählt absolute Präzision und Geschwindigkeit, das pure Ergebnisse, am liebsten ohne zusätzliche Besprechung.

Als ich im Flax Berlin letztens die Teller abgespült habe da kam mir plötzlich dieser Gedanke, ich bin auf dem Weg vom Millionär zum Tellerwäscher, gerade rückwärts die Karriereleiter runter. Kürzlich musste ich für das Job Center all mein Vermögen zusammenrechnen, es sind weniger die digitalen Zahlen auf meinen diversen Konten die mich beeindrucken, mehr die Erkenntnis, ich bin jetzt schon über ein Jahr Millionär, Zeitmillionär. Es ist nicht mein klarer Wunsch das lange zu bleiben, aber ich kann mich auch damit arrangieren, wenn es noch ein Stück anhält.

Ich hatte vor einigen Wochen eine kurze Phae der Orientierungslosigkeit, die Tage fühlten sich lang an, ich wusste nicht wohin, aber gerade dreht sich alles wieder in die richtige Richtung. Ein Blick in meinen Kalender zeigt die richtige Struktur, ein bisschen Arbeit, wenig Geld, dafür Lebensmittel retten, Sport treiben bin zum Bad im Schweiß, offline sein beim Brettspieleabend. Es wird nächste Woche Tage geben da werde ich das ausweiten. Ich habe entschieden meiner Liste an Punkten wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, geplant ist in Friedrichshain ohne Handy zu frühstücken, dafür mit dem Buch „Befreiung von Überfluss“, ich werde das Lokal „Lokal“ mit moderner deutscher Küche besuchen und in Karlshorst das Museum zur Dokumentation des Krieges an der Ostfront (2. Weltkrieg) und Ort der deutschen Kapitulation 1945 besuchen.

In deutschen Spitzenrestaurants hat sich der Trend entwickelt ein „Signature Dish“ auf die Karte zu setzen, zu lesen ist dann vom Sellerie reif & jung – 1 Jahr gereifter Sellerie oder Kartoffel, Molke, Liebstöckel oder Wasabi Kaisergranat. Ich habe für mich selbst einmal überlegt ob es in den letzten Monaten so einen Signature Moment gab. Bei all den Momenten im Winter 2025 und 2026 gibt es einen Ort den ich nicht aus meinem Kopf bekomme und wo ich mich am liebsten noch einmal hin beamen möchte. Ich weiß die Reise würde lang werden, sollte ich aber irgendwann einmal für 2 bis 3 Tage offline sein und verschwinden es könnte sein das ich im tropischen Dschungel von Ubud wieder auftauchen werde.

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Where do we go from here?

Vor gut 2 Wochen in Kopenhagen fotografiert und das dazu auch noch im Regenbogendesign, besser geht es nicht und so habe ich mir Gedanken gemacht wie geht es von hier aus weiter?


Die Erdbeeren vom Karls Erdbeerhof schmecken süß, so süß wie das Leben gerade schmeckt. Sich bei 39 Grad am Wochenende drinnen verbarrikadieren, ein kleines queeres Parkfest in Lichtenberg besuchen und den Montag bei angenehmen Temperaturen auf dem Balkon genießen.


Es ist mal wieder an der Zeit sich an die Liste der Notizen zu machen. Für was genau ich spationieren in Word gebraucht habe weiß ich nicht. Ich bin auch kein Designguru aber es klingt nach mir den Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben gleichmäßig anzupassen. Ob es nun Inselbegabung oder Nerd ist, aber ich folge diesem Instagram Kanal von dem einen Typen der als Fred humorvoll und lehrreich die Welt des Grafikdesigns und der Typografie auseinandernimmt.


Es klingt komisch und ist fast zum Lachen, da bewirbt man sich auf eine ausgeschriebene Stelle mit 2 dicken Rechtschreibfehlern. Eine Firma die sich als Revolutionär darstellen will, aber ausgerechnet dieses Wort (revolitionieren) falsch schreibt. In Wirklichkeit handelt es sich aber um eine kleine Klitsche, hier einmal aus dem ostdeutschen übernommen und nichts mehr als liebevoll-ironisch gemeint eine Bezeichnung für einen kleinen, unbedeutenden und mäßig organisierten Betrieb.


Ich muss meiner Linie treu bleiben, denn in der Liste der Notizen tauchen auch die Buchbezeichnungen „Befreiung vom Überfluss“ und „All you need is less“ auf. Das erste Buch werde ich als nächstes Lesen um die Kritik am ewigen Wirtschaftswachstum zu verstehen. Es soll Themen beinhalten wie eine Reduzierung der Erwerbsarbeitszeit, z. B. auf 20 Stunden, die Nutzung der freien Zeit für Eigenarbeit wie Reparieren, Gärtnern, Teilen und die Entschleunigung des Konsums. Das zweite Buch ist mehr eine Mischung aus Kultur des Genug aus ökonomischer und buddhistischer Sicht, begleitet von liebevollen, reduzierten Illustrationen. Ein Buch das ich nicht dringend lesen möchte, aber einen Gedankenanstoß dazu gibt sich immer wieder kritisch mit dem eigenen Gedankengut auseinander zu setzen. Letzte Woche z.B. hat ein kleiner Moment, die kurze Vorführung eines 125-ccm-Roller dazu geführt, dass ich mich auseinander gesetzt habe mit der Führerscheinerweiterung B196, Modellen und Zubehör nur um irgendwo an einer Stellschreibe 10-20 min pro Tag zu gewinnen die ich an anderer Stelle wieder vertrödeln würde. Alles nicht falsch aber an dieser Stelle ein „deutliches Schluss“ damit, eine Gesamtinvestition von ca. 6000€ ist es nicht wert, wenn man darüber nach denkt ein deutlich langsameres Leben in einer 15-Minuten Kiez Stadt in Berlin zu leben.


Ich habe mich in den letzten Wochen erfolgreich damit beschäftigt aus verschiedenen Kiez Kühlschränken zu essen, gutes Brot, meist gar nicht alt, dass ein oder andere leicht angedatschte Gemüse, frische Kräuter, alles verwertbar zu einem extra Belag einer Pizza oder einer Kräuterbutter, man kann in Berlin sehr günstig leben, wenn man es wirklich will.


Ich habe mir notiert bis zum 02.08 das Dot Chaos von Yayoi Kusama in Köln zu besuchen, gleichzeitig will ich München oder Wien bereisen, auf einem Pickleball Turnier in Gifhorn spielen und im August bei MIA. In Vellmar tanzen, eins bleibt am Ende immer gleich in mir ist Chaos und Aufbruch, alles auf einmal zu viel, den Bezug einer bestimmten Leistung habe ich bis auf den heutigen Tag ausgereizt, jetzt falle ich ohne Netz und doppelten Boden, wie tief und wie es von da aus weiter geht erfahrt ihr im nächsten Kapitel.

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Von hier geht es nur nach nirgendwo

Es sind die Kleinigkeiten die einem nur einfallen, wenn man zu viel Zeit hat. Die Puzzleteile für das Weihnachtsmotiv schon im Juni sortieren, das nächste Projekt mit 1000 Teilen, es ist nie genug Zeit.
Ein neues Set Up auf dem Balkon ist bereits erprobt, mit Sonnenecke, Bepflanzung, einem Tisch für Abende an denen ich auch mal draußen essen mag und Ecke zum auf dem Schaukelstuhl wippen um mir die Zeit zu vertreiben.


In den Büchern habe ich nachgesehen die ich alle schon gelesen habe und immer lautet derselbe Eintrag: „gelesen in der Phase der Arbeitslosigkeit ALGI“. Lange kann ich das nicht mehr so schreiben und so langsam geht es mir auf den Sack warten zu müssen. Auf meine erste Bewerbung von Ende April habe ich bis heute keine Bewerbung erhalten, Behörde halt, Warten von 4-6 Wochen ist hier Standard. Absagen reihen sich in mein Postfach, so schnell hintereinander das ich manchmal gar nicht nachproduzieren kann, Schwachsinn tut sich auf mit Arbeit an exotisch weit entfernten Regionen in längst totgeglaubten Industrieregionen oder in winzig kleinen Laboren wo alles ganz gemütlich voran geht.


An meiner Liste an Orten die ich besuchen möchte arbeite ich fleißig, obwohl ich einige unnütze Ideen über Bord geschmissen habe sind es noch gut 350 Ziele rund um den Globus die ich aus irgendeinem Grund ansteuern möchte. Hier in Berlin gar nicht so viele, es sind eher die kleinen versteckten Paradiese die mich reizen, so wie ich letztes Jahr auf der Wiese vom Mies van der Rohe Haus saß suche ich nach neuen Abenteuern. Obwohl nur 1,5 km weit weg habe ich es vor kurzem erst in das Stasi Museum geschafft, bis nach Mahlsdorf werde ich wohl nicht fahren, dass ich aber bald in Karlshorst das Museum zur Dokumentation an der Ostfront im 2. Weltkrieg besichtigen werde ist realistisch.


Neu sind die Tipps der Künstlichen Intelligenz auf Google Maps die schon im Voraus weiß das ich dort 2-3h Zeit verbringen kann oder dass das Schnitzel welches ich heute Abend gegessen haben werde weit über den Teller ragt. So groß war das Schnitzel dann noch, weil ich mich für eine Kombination aus Spargelcremesuppe mit Bärlauch Öl und eben einem kleinen Schnitzel mit Kartoffel & Gurkensalat entschieden habe.


Abends habe ich dann noch eine digitale Runde gedreht, dabei ist mir aufgefallen das Vorspiel eine Kooperation mit PBC dem Kollektiv bei dem ich seit 2 Monaten Pickleball spiele anbietet. 25% Rabatt auf jede Buchung, es ist schon verrückt wie sich alles zusammenfügt, vor 3 Monaten in Bali erst entdeckt jetzt schon fest in meinen Wochenablauf integriert, das Leben kann so einfach und günstig sein.

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Glück

Loseblattsammlung


Glück ist glatt wie Porzellan. Glück perlt ab. Glück bleibt nicht. Glück ist nichts. Glück ist wie ein Chor ein endloser Gesang.
Glück ist in meiner dicht gepackten Routine an Hobbys und Interessen einen Abend zu finden an dem ich nur ganz für mich alleine genieße. Kein Handy, kein Foto nur der Geschmack auf der Zunge als Erinnerung.


Klammheimlich träume ich ja immer noch von einem Food Start Up, von einem Kindheitsgericht das ich hier in Berlin noch nicht finden konnte, eine einfache Speise die aus der Mode gekommen ist, weil sie in Ihrer Zubereitung etwas braucht das wie heutzutage verlernt haben, Zeit, eine genaue Rezeptur aus guten Zutaten und eine Prise Wahnsinn, wenn ich das ganze in geil anbieten könnte, wäre ich der große Held.


Glück ist das ich mittlerweile weiß was ich nicht mehr so mag. Ich kann sehr genau justieren wieviel ich von Aufregung, Stress und Hektik brauche. Kein Maifeuer, keine Hexenverbrennung, keine Demonstration und auch kein Stress.


Glück ist mit den eigenen Händen zu arbeiten. Das so eine einfache Tätigkeit wie ein paar Blumen in den Balkonkasten zu pflanzen doch so glücklich machen kann. Frische Luft, warme Sonnenstrahlen auf der Haut, der Duft von Erde und ein paar dreckige Finger, das kann keine Arbeit am Laptop ersetzen.


Es ist schon ziemlich ernüchternd zu wissen wie wenig Arbeit heutzutage wert ist, da war das Angebot von 38.000€ brutto für eine Vollzeitstelle von 40h/Woche ja noch großzügig, wenn ich im nächsten Gespräch erfahre das man erstmal einen Praktikanten eingestellt hat dem man am besten gar nichts zahlen muss.


Glück ist das es weiter geht.

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Zukunft

Vergangenheit ist dieser Text. 144 Tage, handgeschrieben und analog in meinem Tagebuch festgehalten, Erinnerungen die mir keiner mehr wegnehmen kann.

Am 5.11 bin ich bei 8 Grad mit der Bahn losgefahren. 144 Tage später bin ich bei ebenfalls 8 Grad mit dem Taxi angekommen.

Die Ironie an der Sache ist, zwischendurch habe ich quasi keinen Winter erlebt.

Außer kurz nach dem Start in Hamburg und für 2 Tage in der Fjordpassage in Neuseeland hatte ich jeden Tag mehr als mindestens 20 Grad und in Tonga sogar 33 Grad bei 100% Luftfeuchtigkeit und ausgerechnet da bin ich Rad gefahren.

Ich bin 25.958 Seemeilen mit dem Schiff gefahren, das entspricht 48.074 Kilometer.

Würde man von Berlin aus ein Loch durch die Erde bohren, auch Antipode genannt landet man 500km östlich von Neuseeland.

Am 1. Februar hatte ich in Oban nicht nur den südlichsten Punkt meiner Reise erreicht, sondern war auch unfassbar weit weg von Berlin.

Ich hatte auf meiner 112-tägigen Kreuzfahrt nicht nur viel Spaß, sondern habe wann immer es möglich war Land und Leute so gut wie es in der kurzen Zeit möglich ist erkundet. Ich habe im Opernhaus von Sydney gesessen, habe die Statuen auf den Osterinseln bewundert und bin am Riff von Moorea mit kleinen Haien geschwommen. Dies ist nur eine kleine Auswahl.

Auf dem Schiff habe ich gute Kontakte geknüpft. Mit 80kg bin ich gestartet und mit 2kg mehr wieder gekommen. Die Verpflegung auf dem Schiff war also gut und abwechslungsreich, ich habe aber auch oft genug das Fitnessstudio gesehen, mehrere Bücher gelesen darunter ein fast 1000 Seiten Buch. Berlin – Biographie einer großen Stadt. Ich habe Mandala gemalt und Doppelkopf erlernt und witzigerweise stand ich auch vor circa 500 Leuten auf der Bühne und habe einen witzigen Text über Kreuzfahrt vorgelesen.

Nach meiner Kreuzfahrt habe ich 2,5 Wochen in Bali verbracht. Dort habe ich Kultur und Natur entdeckt und exotisch und scharf gegessen. Mit Pickle Ball habe ich nicht nur eine neue Sportart entdeckt sondern auch ein Hobby mit nach Berlin gebracht was ich fortsetzen werde. In den Reisfeldern von Ubud war es so schön das ich fast geweint habe und einen Bali Belly hatte ich natürlich auch.

In Singapur ist mir eine moderne und futuristische Großstadt begegnet die mit Wolkenkratzern, Digitalisierung, Sauberkeit und einem modernen U-Bahn System beeindruckt. Gleich an meinem ersten Abend musste ich nach einem 20-minütigen Spaziergang durch eine Einkaufsmall stehen bleiben und staunen.

Ich bin zurück geflogen so wie ich das fast 1 Jahr im Voraus geplant hatte mit dem Lufthansa Flug LH769 Sitzplatz 12K Singapur München und dann weiter nach Berlin.

Nach 5 Monaten sozialer Auszeit hat es nicht einmal 30h gedauert bis ich mich wieder integriert habe. In den ersten 2 Wochen habe ich fast alles erlebt was mich ausmacht. Badminton, Spieleabend, Freunde für Kino oder Essen treffen, Abendessen im Flax und Karaoke moderieren im Flax, mein neues Hobby Pickle Ball spielen in Mariendorf, durch die Stadt spazieren, ins Museum gehen, Bowling Spielen und natürlich Eis essen.

Es gibt eine Sache die in dieser Auflistung nicht vorkommt.

Arbeit! Was ist eigentlich Arbeit?

Ich habe die KI gefragt und eine einigermaßen brauchbare Antwort gefunden. Für Philosophen wie Hannah Arendt oder Karl Marx ist Arbeit das, was uns zum Menschen macht. Wir gestalten unsere Umwelt, schaffen bleibende Werte und geben unserem Leben eine Struktur. Früher war Arbeit oft mühsam, heute suchen wir nach dem Sinn der Arbeit.

Ein Blick in mein Bücherregal offenbart eine ironische und moderne Auffassung zum Thema Arbeit.

Da finden sich Werke, wie: Ich arbeite in einem Irrenhaus. Am liebsten hasse ich Kollegen. Feierabend. Warum man für seinen Job nicht brennen muss oder Utopie für Realisten. Die Zeit ist reif für eine 15 Stunden Woche.

In den letzten 5 Monaten habe ich ganz bewusst darüber nachgedacht was Arbeit für mich bedeutet. Ich bin zurück gekommen mit der Einstellung. Ich kann und ich will arbeiten aber eben auch mit der Idee ich mache mich nicht mehr kaputt dafür. In Zukunft will ich nicht 40h Starr vor einem Laptop sitzen und in Montag morgens Meetings über ausgedachte Zahlen Ziele diskutieren. Um ehrlich zu sein, ich habe zwar 12 Jahre Berufserfahrung aber irgendwie hasse ich es zu arbeiten. Das fühlt sich zwar verboten an es einmal auszusprechen. Aber für mich ist Arbeit oft nur ein Mittel zum Zweck, man Tauscht Lebenszeit gegen Geld für ach so tollen Konsum um Dinge zu kaufen die man eigentlich nicht braucht.

Ich habe schon einige Jahre die Idee mich zu minimalisieren, jetzt ist die beste Zeit daran zu arbeiten. Ich weiß es wird unfassbar hart eine Arbeit zu finden die wirklich zu mir passt, am liebsten 30h in der Woche, irgendwas mit Lebensmitteln, Verpackungsprodukten oder chemischen Produktionsschritten. Gern nah dran an einer Produktion, trotzdem mit der Bequemlichkeit eines eigenen Schreibtisches.

Und so bleibt am Ende eines.

Die Zukunft wird spannend, egal ob mit oder ohne Job, viel wichtiger ist was mich ausmacht und wir gemeinsam erleben, denn Zukunft ist Verbundenheit und Zukunft ist immer der nächste Augenblick.

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Lachen, Klatschen und Applaus

Ich weiß nicht ob das ganze jetzt so eine Art Tick ist, aber so ganz sauber läuft da bei mir etwas nicht. Letztens durfte ich diesen Satz in einer LinkedIn Biografie lesen. Ich werde oft als 100%-Mensch betitelt. Meine Philosophie lautet: ein Mangel ist bereits einer zu viel. Und dann passiert es bei mir das ich einfach so morgens oder nachmittags im Wohnzimmer stehe und Lauf lachen muss. Das was ich gerade erlebe reicht alles für mich und eigentlich gibt es keine Notwendigkeit daran etwas zu ändern.

Die letzten Monate hatte ich eine bestimmte Sache mehr aus Spaß als aus Ernst betrieben. Irgendwie hatte ich dezent die Hoffnung das es doch jemanden gibt der mein fachliches Profil und persönliche Absicht so geil findet das ich schon einen Arbeitsvertrag weit im Vorraus bekomme. Eine ganz coole Idee gab es, aber selbst da bin ich nach dem ersten Gespräch grandios gescheitert.

Ich weiß nicht wie oft ich das jetzt schon gemacht habe aber so zwischen 25 und 50 mal bestimmt. Also habe ich getippt wo es nichts zu tippen gab, überlegt was man schreibt wenn nichts passiert obwohl eigentlich doch etwas passiert. Gewarnt wurde ich davor das die Lücke irgendwann aufgeht in der Arbeitsbiografie. Die Lücke ist jetzt definitiv da und sie wird  demnächst noch um 5 Monate größer und ist am Ende dann klaffend und riesengroß sodass ich mir das mit einer Arbeit eigentlich gleich abschminken kann. 

Eigentlich habe ich auch gar keine Lust darauf ein Dokument zu erstellen nach dem mich alle bewerten und das letztendlich totoptimiert und 5 mal von der KI sprachlich Vergewaltigt wurde sodass die echten Fähigkeiten nicht mehr erkennbar sind.

Und was ist eigentlich wenn man viele Dinge ablehnt, wenn man von der ganzen Digitalisierung nicht so viel hält und irgendwann den Anschluss verliert. Ich habe mir heute wieder ein schönes Puzzle gekauft. Tausend Teile die  ich mit meinen eigenen Händen und Geist zusammenlegen werde. Das sind Dinge die mich glücklich machen. Langsamkeit, Perfektion und schöpferische Tätigkeit und jetzt Hände Hoch für diesen schönen Beitrag klatschen und Applaus.

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Ich bin auf der Suche nach der perfekten Woche

Das Wort Arbeit kommt darin definitiv nicht vor. Du kannst keinen schlechten Tag auf Arbeit haben, wenn du einfach nicht hingehst. Besser ist es natürlich noch einfach keine Arbeit zu haben und sich die Zeit frei einteilen zu dürfen.

Worte können nicht beschreiben wie golden und schön dieser Oktober glänzt. Wenn man plötzlich ganz andere Dinge macht als früher, sei es beim Zeitungsstudium in der Bibliothek, langen Spaziergängen durch raschelende Blätter oder wenn man einfach 30 Minuten im Milchreis rührt um danach ein Gericht zu verspeisen das einem fast die Tränen kommen.

Gerade genieße ich den sonntäglichen Komorebi, dieses faszinierende Phänomen, bei dem die Sonnenstrahlen gefiltert werden und auf dem Boden ein sich ständig bewegendes Muster aus Lichtflecken und Schatten entsteht. Der Wind, der die Blätter bewegt, verstärkt diesen Effekt des Lichts, das durch die Bäume dringt.

Ja es war wirklich eine perfekte Woche. Ich habe ausnahmslos jeden Tag soziale Kontakte gepflegt und das in einer Phase wo ich bestimmte Dinge ein letztes Mal mache. Die letzte Umarmung in der Straßenbahn nach einem Ausflug in das Dong Xuan Center, ein lebhafter und trubeliger Asiatischer Großmarkt, eine Welt in die ich demnächst noch tiefer eintauchen werde.

Ich kann gar nicht glauben wie schnell die Zeit verfliegt, wenn wir Abends fremde Inseln besiedeln und uns zanken, die Würfel rollen und die Hexen tanzen lassen und wenn ich dann nachts im Bett liege und in ein Selbstgespräch und tiefe Analyse mit mir selbst gehe, da geht es immer um die Struktur der Woche und was mir wichtig ist, um fixe Ideen die ich habe und wieder verwerfe.

Was schon immer war und bleiben wird das ich mich mindestens 2x in der Woche auf dem Platz schinden werde, bei der schnellsten Ballsportart der Welt, weil es viel mehr ist als das, herzliche Kontakte und lustige Geschichten und echtes Vereinsleben und das sogar in einem ganz wichtigen Schutzraum.

Das wichtigste ist das ich keine Ängste mehr habe, das ist wenn ich die Seite vom Kapitel um ein Jahr auf den letzten Sommer oder Herbst zurückblättere nämlich nicht ganz so selbstverständlich. Da gab es etwas was mein Ökosystem gestört hat und ich bin mir mittlerweile sicher das es etwas mit dem bösen Wort Arbeit zu tun hatte, das es da irgendeine:n Kolleg:in, einen Ort, Prozess, Über- oder Unterforderung gab das mich aus dem Gleichgewicht gebracht hat.

Den wichtigsten Satz habe ich diese Woche witzigerweise in einem Moment gehört wo ich diesen nicht erwartet hätte. Gerade an einem Ort wo es eher technisch und steril zu geht wird es plötzlich ungewohnt emotional. Wissen Sie eigentlich geht das alles ich habe in meinem Leben auch schon 4 Monate mit meinem Mann nur aus 2 Rucksäcken gelebt und die Zahnbürste haben wir uns geteilt. Wenn Sie genug Rücklagen haben müssen sie doch auch sofort nicht wieder arbeiten. Und so bin ich nach Hause gefahren und habe mir überlegt, in unserer Gesellschaft ist die Maßeinheit für Erfolg oft Geld und Zeit, andere streamen schon ich spiele noch die Kassette ab, ich habe nie wirklich auf Pause gedrückt aber gerade mache ich eine.

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Ein Blick auf die Uhr in Farbe an weißer Wand

Das ist die Globalisierung, die kann man nicht einfach aufhalten. Das ist die Zukunftsfrage, es gibt auch bessere Tage. Natürlich habe ich die KI gefragt, das macht man heutzutage so, selbst meine Oma hat gefragt, was das mit dieser KI ist und ob die jungen Leute da jetzt gar nicht mehr selber nachdenken müssen.

Eine Produktabbildung wollte die KI mir erzeugen, danach habe ich doch gar nicht gefragt, selbst die Salatköpfe bei Aldi in der Werbung sind jetzt KI-generiert.

Gefragt habe ich dann dennoch mal, irgendwas muss es ja mit dieser Uhr an weißer Wand auf sich haben, wenn ich diese Idee vor Urzeiten, Achtung, nicht Uhrzeiten, schon mal hatte, der Wortwitz war jetzt schon wieder so gut, dass ich selber schmunzeln musste.

Von einem Leben im Kontrast ist die Rede, oder auch von Hoffnung und Individualität. Gar von der Vergänglichkeit und dem Bewusstsein der Zeit ist die Rede. Irgendwo schwingt da noch was mit von Klarheit, Raum, Ruhe und Harmonie.

Ja, ich bin Harmonie. Früher habe ich mal die Sommer ausgewertet und überlegt, ob es besser war als im Jahr zuvor. Irgendwie ist jedes Jahr alles besser geworden, dann kam Corona, man wurde ausgebremst, und danach war alles durcheinander und nicht mehr so wichtig.

Diesen Sommer war alles anders. Ja, man könnte sagen, die KI hat mich ausgebremst oder ersetzt. Anders gesagt: Ich habe mal etwas erlernt und studiert und bin nach Stationen und Umwegen in einer Branche gelandet, die hier in Deutschland keiner mehr braucht. Die Situation ist also ernst, die Uhr ist gar nicht so bunt, wie ich denke, nein, die Zeit tickt ganz unaufhörlich, nur wohin und wie genau ist die Frage.

Fakt ist, ich bin vom Digitalen mehr und mehr ins Analoge gewechselt. Bald werde ich den Stecker ziehen, nicht den vom Blog hier, aber ich werde einen Schnitt machen und mein Leben eintauschen in ein 5-monatiges Abenteuer. Dass es da auch digitale Inhalte gibt, ist ganz selbstverständlich, aber was ich mitführen werde, sind auch Dinge wie bunte Stifte, ein Buch zum Malen und ein Tagebuch, dessen Seiten gefüllt werden sollen.

Ein Monat bis zur Abreise, es beginnt also der letzte Monat in Berlin, Zeit genug, bestimmte Dinge ein letztes Mal zu erleben, bis sie pausieren und ganz andere das erste Mal. Ungeduld brennt.

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Ein Stuhl ist ein Stuhl, ist ein Stuhl, ist ein Designobjekt

Man sagt ja man soll von jeder Reise etwas mitbringen. Die letzte Reise, 7 Tage lang von Hamburg nach Kiel entlang der Küste von Südnorwegen brachte viele neue Gedanken mit sich. Ich hatte mir vorgenommen alles deutlich langsamer zu erleben als zuvor und so bin ich schon am ersten Tag in der Hamburger Kunsthalle auf und ab gelaufen um am Ende dann exakt nur 1 Foto mit einer analogen Kamera zu machen lassen, im Laufe der Reise sollten wenige weitere Folgen.

Der letzte Text liegt nun tatsächlich schon eine beträchtliche Zeit zurück. Es geht tatsächlich alles etwas langsamer gerade, nach Freistellung und Planung bewusster Arbeitslosigkeit und großen Reisen sind die Gedanken nun wieder so rein das ich auch mal etwas zu Papier bringen kann, wobei das mit dem Papier ist ja auch so eine Sache für sich, den bei einem Blog im Internet handelt es sich am Ende immer nur um ein digitales Produkt. Gerade in dieser Zeit entdecke ich immer mehr das analoge für mich, die Kiste mit Erinnerungen unter meinem Bett sammelt Erinnerungen seit gut 9 Jahren begonnen irgendwo zwischen Wohnungswechsel und Beziehung hat sich da eine schöne Sammlung aufgebaut. Letztens bin ich durch die Abteilung mit den Schreibgeräten geschlichen und habe mir überlegt, wer schreibt heute eigentlich noch auf Papier. Experten warnen ja schon davor das die Generation Z eine ganz grundlegende Fähigkeit die die Menschheit schon seit tausenden von Jahren besitzt nach und nach verliert. Ganz ausgegoren ist die Sache noch nicht, was ich mir aber vorgenommen habe ist das ich einen bestimmten Zeitraum in den nächsten Monaten ganz intensiv und analog rein handschriftlich begleiten werden, das daraus ein ganzer Ordner wird und nach und nach eine zweite Kiste mit Erinnerung wächst.

Zurück zum Stuhl, den hatte ich ja in Oslo in einem Café gesehen, ein ganz modernes Designobjekt so das ich Anfangs gar nicht wusste, ist das jetzt zum sitzen oder knien, ganz intuitiv habe ich mich für knien entschieden und gemerkt es kippelt und es wackelt, es hält in Bewegung, ist so minimalistisch und reduziert das es richtig Spaß macht sich immer wieder hin zu setzen oder doch zu knien. Keine 10 min später habe ich gedanklich mein Schlafzimmer umgebaut mit der festen Überzeugung eine Lounge Ecke einzufügen, kaum zu Hause habe ich mehrfach das Bett gedreht, Kästen sortiert und Möbel gerückt nur um dann nach 2 gescheiterten Anläufen wieder da anzukommen wo ich seit 8,5 Jahren bin. Das mit dem Kniestuhl und der Lounge Ecke hat sich also erledigt, aber von diesen Gedanken das es kippelt und wackelt konnte ich mich dann doch nicht lösen. Also habe ich ein Sitz und Kunst Geschäft im Berliner Westen aufgesucht um einen Stuhl, der Form und Funktion in Balance bringt und mich dazu einlädt, mich während des Sitzens zu bewegen. Und da habe ich Ihn gefunden den perfekten Stuhl, kein Einzelstück, aber auch kein Massenprodukt, eine ganz bewusste Entscheidung für einen Stuhl um eine neue Dimension in das Zentrum meines Zuhauses zu bringen. Sozialisieren, essen, kreieren, spielen, arbeiten und unterhalten, all das ist mein neuer Designer Stuhl. Hallo Varier Social red!

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Go west – Das Abenteuer meines Lebens

Ursprünglich vor über einem Monat für meinen Geburtstag geschrieben, nun veröffentlicht als Blog Eintrag.

Im September 2011 bin ich nach Berlin gezogen, schon 7 Monate später habe ich meinen 24. Geburtstag in Berlin mit einigen Freunden in einem Restaurant im Prenzlauer Berg gefeiert.In den darauffolgenden Jahren hat sich eine schöne Tradition entwickelt.Möglichst immer genau an meinem Geburtstag lade ich in ein Lokal meiner Wahl ein. Zugegebenermaßen hat nicht jede Auswahl von mir für Begeisterung gesorgt, ob in Gänseschmalz ausgebackene Pommes, ein nicht vegetarisch ausreichendes Buffet oder auf Lavastein gegrilltes Fleisch, es gab auch immer wieder mal einen Grund für Kritik. Was geblieben ist sind die Erinnerungen und natürlich ihr.

Zu Jubeljahren lasse ich mir zusätzlich etwas besonderes einfallen. Zu meinem 25. Geburtstag bin ich fast im freien Fall vom Park Inn gesprungen, zu meinem 30. Geburtstag habe ich eine Art Night veranstaltet und zu meinem 35. Geburtstag gab es ein Fotoshooting. Letztes Jahr bin ich sogar als Florentine auf meinen eigenen Geburtstag erschienen. Nach 14 Jahren in Berlin gehen mir die Ideen nie aus und deswegen haben wir uns heute hier versammelt um Amerikanisch inspiriertes Essen zu genießen, ich hoffe es hat euch gefallen.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen um euch Einblick in mein aktuelles privates Leben zu geben. Als ich im November 2024 erfahren habe, das mein aktueller Arbeitgeber im Juni 2025 seinen Standort schließt und ich einen Aufhebungsvertrag annehmen kann, hat mich das Anfangs doch etwas getroffen.Direkt im Dezember habe ich ganz schnell und eigentlich viel zu früh Bewerbungen geschrieben die Stand heute nicht zum Erfolg führten. Im Januar und Februar habe ich mich treiben lassen, war im Skiurlaub, habe Berlin genossen und weiter meine Zukunft geplant. Im März habe ich mich an einigen Ehrenamtlichen Tätigkeiten, zwischen Seniorenheim und Jugendbetreuung probiert. Vor einigen Wochen habe ich begonnen auszumisten und ein minimalistisches Konzept anzustreben. Gerade erneuern sich Teile meiner Wohnung und ich mich selbst mit einem anderen Qualitätsanspruch als in den letzten Jahren.

In den letzten Tagen, Wochen und Monaten habe ich mir viele Fragen gestellt und Antworten erhalten. Im Bezug auf meine Zukunft und Leben ist eine Entscheidung gefallen die auf einer Ansage meiner Lieblingssängerin Mieze Katz auf einem Konzert der Berliner Band MIA. Beruht.

„Leben ist immer genau jetzt, glücklich sein ist immer genau jetzt“

Und deswegen habe ich heute einen Appell an euch. Wann immer ihr in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten Zeit und Lust habt, sei es für eine Nachricht im Chat, ein persönliches Treffen, die Ausübung eines gemeinsames Hobby oder ihr schon länger etwas verrücktes mit mir zusammen machen wolltet, nutzt die Zeit, denn Leben ist immer genau jetzt und leider möchte ich euch heute mitteilen, das meine Zeit hier in Berlin begrenzt ist.

Am Mittwoch den 5. November werde ich Berlin verlassen.

Es geht nach Hamburg, Hamburg mit seinen 1,2 Millionen Einwohnern ist eine pulsierende und maritime Großstadt. Der Hamburger Hafen gilt mit seiner Verbindung zu 950 Häfen in 178 Ländern, als das Tor zur Welt. Ich habe entschieden 113 Tage lang glücklich zu sein, und ganz für mich allein als Passagier an Bord der Vasco da Gama, einem kleinen familiären, herzlichen und klassischem Kreuzfahrtschiff mit nur 1000 Passagieren, eine Reise zu machen die als mein ganz persönliches großes Abenteuer, eine Auszeit von allen beruflichen und privaten Pflichten zu verstehen ist. Es geht von Hamburg Richtung Westen, entlang von Westeuropa, den kanarischen Inseln, der Passage über den Atlantik, durch die karibische Inselwelt und Mexiko, weiter durch den Panamakanal und entlang von Teilen Südamerikas. In der Südsee werde ich Ziele sehen wie Tahiti, Bora Bora & Fidschi. Orte die so unfassbar weit weg sind, das ich entschieden habe diese genau jetzt zu bereisen. Die Reise setzt sich fort mit vielen Häfen in Neuseeland und Australien und endet am 27.02.2026 in Bali. Ich habe es geplant danach für circa 2,5 Wochen in Bali Land und Leute zu entdecken. Danach plane ich es weiter nach Singapur zu fliegen und hier für weitere 10 Tage zu bleiben.

Es ist meine Angewohnheit alles genau im Voraus zu planen. Am Samstag den 28.3.2026 werde ich um 23:45 Uhr mit einer Maschine der Lufthansa Sitzplatz 12K Premium Economy class über München zurück nach Berlin fliegen. Wenn alles gut geht lande ich am Sonntag den 29.3 um 10:05 Uhr auf dem Flughafen in Berlin.

Sinn dieser Reise ist nicht nur die Entdeckung ferner Orte, Sinn dieser Reise ist auch eine Entschleunigung von unserer hochgradig vernetzten Welt. Ich werde auf dem Kreuzfahrtschiff nur eingeschränkt und an den jeweiligen Häfen per Wlan oder esim erreichbar sein. Es wird auch Abschnitte geben wo ich mehrere Tage von der digitalen Bildfläche verschwinden werde. Am Ende der Reise in Bali und Singapur werde ich wieder besser erreichbar sein. Ich melde mich kurz und knapp mit Bildern und Notizen wenn es mir passt.

Abschließend habe ich einen Wunsch. Ich wünsche mir das wir einander nicht vergessen. Wer mag kann mich am 29.3 am Flughafen in Empfang nehmen, ein Versprechen aber bleibt, in einem Jahr am 11.04.2026 werden wir wieder in einem Restaurant meiner Wahl meinen Geburtstag feiern, spätestens dann sehen wir uns alle wieder.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit, vielen Dank für Euer Vertrauen. Wir stoßen an auf meinen 37. Geburtstag und ein ganz großes Abenteuer.

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Hilfe ich habe mich beworben

12:05 Uhr. Ich stehe im Flur und habe gerade beschlossen nun die Homeoffice Mittagspause zu beginnen.

Kurz muss ich an meinen vor einem halben Jahr verstorbenen Opa denken, der mir mal erzählt hat das er für seine erste Ausbildung zum Tischler 1h zur Arbeit gelaufen ist, egal ob Hitze oder Schnee, durch die Stadt und über die Felder ins nächste Dorf. Dort hat er etwas geleistet, konstruiert und mit den eigenen Händen etwas erschaffen, im Idealfall etwas das bleibt über Generationen hinweg.

Mir hat man geraten zu studieren, erst an der Uni, später an der Fachhochschule, Hauptsache etwas mit Ingenieurswissenschaft und Diplom, irgendwie bin ich dann im Labor und später im Technikum gelandet und dann kam irgendein Headhunter um die Ecke und hat mir eine neue Position in einem jungen dynamischen Umfeld aufgeschwatzt. Jetzt schimpfe ich mir wohl Fertigungstechnologe, an der ein oder anderen Maschine stand ich wohl auch mal, aber etwas selbst angefasst habe ich höchst selten. Ich bin eher einer dieser modernen Wissensarbeiter, die im Homeoffice sitzen und sich in mehreren Meetings abstimmen müssen bis genug abgestimmt ist und Dokumente hin- und herschieben, kurzum ich drücke kleine schwarze Knöpfe und kreiere digitale Texte auf nicht vorhandenem Papier, wirklich etwas erschaffen das bleibt tue ich nicht und das macht irgendwie unzufrieden also habe ich mich beworben.

Gerade als ich die Schuhe anziehen will klingelt mein Smartphone. Na gut klingeln ist übertrieben, schon wenige Tage nach Anschaffung dieser technischen Wunderwaffe irgendwann Anfang der 2010er Jahre habe ich entschieden alle Töne auszuschalten, weil ich die Kontrolle über mein Smartphone und Leben haben möchte und nicht umgekehrt.

Die Vorwahl +89 leuchtet auf meinem Display. München das weiß ich sofort, denn da war ja mal die Sache mit sky. Funfact, wer bei sky kündigen möchte kann dies nicht online tun, sondern muss anrufen. Vorwahl +89 und dann landet man bei einem Berater der einem 10 min lang alle Entertainment Pakete vorstellt und mehrfach seine tiefste persönliche Betroffenheit zum Ausdruck bringt das man sky verlassen will. Wenn man es dann irgendwann doch geschafft hat zu kündigen bekommt man aller 2 Tage Post mit neuen Angeboten und tägliche Anrufe mit der Vorwahl +89 es hat sich also eingebrannt.

Ich entscheide mich also ran zu gehen, immerhin hatte ich mich vor kurzem ja beworben.

Ich melde mich kurz mit Namen dann geht es auch schon los. Pichler, Nonstop consulting Herr ich habe ein Angebot für sie wenn sie das gehört haben werden sie sich die Finger lecken danach, Top Unternehmen, Branchenführer, aber Inhabergeführt, gerade richtig stark am wachsen in der Biotechbranche, bis zu 85k hat man mir freigegeben wenn der ideale Kandidat dabei ist und wenn ich ihre Vita lese, top muss ich sagen, da passen sie perfekt rein, ganz junges Team da können sie richtig was bewegen, das wird der Gamechanger für Ihre Karriere na was sagen sie dazu.

„Herr Pichler ich bedanke mich für Ihr Angebot, aber würden Sie mir freundlicherweise verraten wo das Unternehmen sitzt“

„Ja Herr gut das sie fragen die Sache hat einen kleinen Haken es ist nicht ganz um die Ecke, genauer gesagt bei Bern in der Schweiz.

Da ich gerade bei google maps bin suche ich mir die Strecke raus. 8 Tage und 6h berechnet google maps, ohne Pause. Sicherheitshalber mit einer Warnung das die Route eventuell nicht mit realen Bedingungen übereinstimmt, über eine Landesgrenze führt und eine Fährstrecke beinhaltet.

Ich antworte dem Herrn Pichler uns sage: „Sagen Sie Ihrem Kunden ich bin in 9 Tagen da“ und lege auf.

Und so spaziere ich los zu meiner Mittagspause, wie immer sitzen 2 Trinker vor der Samariter Kirche und viele Leute in den Cafés. Ich überlege und frage mich ernsthaft, wer arbeitet heutzutage eigentlich noch so richtig.

Es freut mich richtig in dem kleinen Mittagslokal an der Frankfurter Allee zu sehen, wie gut gekocht und freundlich serviert, hier fühle ich mich wohl, lasse mir Süßkartoffelpommes als Nachschlag bringen und lasse die Gedanken kreisen.

Ich schaue auf mein Telefon, Vorwahl +30 aus Berlin, das klingt gut denke ich mir und gehe ran.

„Ja guten Tag Frau von WVA Arbeitsvermittlung – Wir Verarschen Arbeitslose oh Entschuldigung da habe ich mich versprochen Wir Vermitteln Arbeitnehmer natürlich, ich habe da ein Angebot im Verpackungsbereich, Vollzeit, 3 Schichtsystem mit Wochenendarbeit, ganz guter Stundenlohn so um die 13€ zum Einstieg, die Stelle ist befristet für 6 Monate aber es bestehen gute Chancen das wir nach 6 Monaten jemanden finden der es noch günstiger macht als sie oh Entschuldigung da habe ich mich wieder versprochen, das wir sie natürlich in ein festes Arbeitsverhältnis übernehmen, wie klingt das für sie.

Ohne Umschweife sage ich ab, wieder einer dieser Arbeitsvermittler, es hat sich mittlerweile ein echter Scheinmarkt entwickelt, es werden Stellen mehrfach von verschiedenen Vermittlern ausgeschrieben, bezahlt wird weit unter Tarif und irgendwie hofft man immer das es jemanden gibt der das freiwillig macht.

Ich scrolle durch meine Mails und lese etwas lustiges über einen Bewerbungsprozess in dem ich mich schon seit 3 Monaten befinde.

Bitte entschuldigt die Verzögerung. Im April der Manager war in Urlaub und auch Vorgesetzter in Dienstreise und der Manager muss alle Einzelheiten mit dem Senior Manager besprechen. Ich habe eine Nachricht an den Manager verschickt und versuche nächste Woche mit dem Manager bezüglich Ihr Prozess noch einmal zu sprechen.

Ich schmunzel erneut und beende meine Mittagspause und suche weiter nach einem Job der Sinn macht.

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