Das Leben ist ein Rollenspiel und gerade spiele ich die Rolles eines Arbeitslosen Akademikers mit Minijob. Mein Status ist weit gesunken, zum Gespräch für ein zwielichtiges Seminar da reicht es noch, aber wenn rauskommt das ich Verfahrenstechniker sein will aber noch nie an einer Spritzgussmaschine stand da herrscht Schweigen im Raum.
Ich habe beschlossen die Dinge von ganz aktuell bis zu den Gedanken von vor 2-3 Wochen aufzurollen. Erst war ich skeptisch und fast war es mir peinlich, am Ende hat sich beim Lach Yoga eine Dynamik entwickelt, bei der man sich kaum noch auf dem Stihl halten.
Ich habe es mit Ironie probiert, bin auf der Rampe in ein Lager vorgedrungen, habe eine Kiste gesucht und wurde von der Haustechnik verwarnt, plötzlich war man ganz ernst zu mir, dabei liebe ich es Grenzen auszutesten, Türen zu öffnen, Schränke zu inspizieren und Schwachstellen aufzudecken die offensichtlicher nicht sein könnten.
Genau das ist meine Stärke, aber schreib das mal in einen Lebenslauf, meine Stärke ist es fremde Gespräche mitzuhören, überall zu spionieren und Schwachstellen aufzudecken, das kommt wahrscheinlich nicht gut an.
Der große Held wollte ich sein, bin mit Geld zum Pokertisch gegangen und habe den starken Männern gegenübergesessen, bin aber in der Dynamik des Spiels untergegangen, tags zuvor habe ich einen neuen Spieleclub getestet, Atmosphäre und Chemie haben dort aber überhaupt nicht gestimmt.
In meinem Kopf habe ich die Tage sortiert, wann und wo spiele ich am Brett, wann lasse ich den Pickleball fliege, wie Willkommen und wichtig ist Badminton überhaupt noch, wann und wo gehe ich etwas bestimmtes essen, wann entdecke ich Berlin und sein Umland und wann wage ich es doch wieder mal mit einer Bewerbung oder gar einem Gespräch.
Im September 2026 jährt sich ein Jubiläum ganz unauffällig. 10 Jahre nun schon im Friedrichshain, ein ganzes Jahr davon in einer interessanten und turbulenten Partnerschaft, danach immer irgendwie allein und Single, warum das genauso ist darauf konnte ich auch in Nürnberg keine Antwort finden. Ich habe schlicht und ergreifend niemanden gefragt, bin gut geplant und dann dennoch einfach losgefahren, habe die Museen bis zum letzten Winkel erkundet und zwischen alten Vasen gedanklich erschöpft nach Antworten auf viele Fragen gesucht.
Irgendjemand wollte mir einreden, dass es ein Fehler war im Juli alles offenzulegen und der nächste hat gesagt probiere es im September bleich noch mal, der will beschissen werden nur Mut es wird ein erfolgreiches Ende nehmen.
Grundsätzlich ist jetzt der Herbst angekommen, als am 1. September diese unheimliche Mischung aus der letzten Hitze der Stadt, dem ersten scharfen Herbstwind und dieser süßverlockende Duft von Lush in der Luft lag, da wusste ich, jetzt ist es soweit.
