Ich bin ja in letzter Zeit häufiger tagsüber unterwegs, in Berlin einer Stadt der grenzenlosen Freiheit, arm aber sexy, mit einer Arbeitslosenquote im Juni von 10,2 %. Die Stadt scheint nach wie vor voll mit durchgedrehten Kreaturen und so konnte ich von einer dieser den schönen Satz über Rubine und Smaragde und der Hund das versteht doch kein Schwein aufschnappen.
Berlin, eine Stadt die laut Karl Scheffler von 1910 eine Stadt ist, die verdammt ist, immerfort zu werden und niemals zu sein. Aktuell ist es für mich ein zäher Kampf in einer modernen, globalisierten Metropole genau den richtigen Platz zu finden. Es ist der harte Kontrast von mehreren Hundert Euro die in Sekunden schnelle verloren gehen und legendären Internet Sätzen wie, die Leute rauchen Crack in der U-Bahn. Von Momenten wo ein Haarschnitt am Sonntag im Dong-Xuan-Center nur 12 € kostet, der billigste in Berlin, der aber auch langweilig und uninspiriert ausschaut, vielleicht mache ich mit etwas Wachs und blond noch etwas draus. Es ist dieses wunderschöne Gleichnis von John Ruskin was mir in Form eines Schildes an einem Geschäft diese Woche begegnet ist. Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen
Deswegen ist es folgerichtig das ich mir es diese Woche das erste mal erlaubt ein Angebot auszuschlagen, nicht wegen der nackten Zahlen auf dem Vertragsentwurf, damit hätte man sich schon irgendwie arrangieren können, sondern mehr wegen klaren juristischen Fehlern. Wer schreibt das Überstunden mit dem Gehalt schon abgegolten sind hat oft einen Hintergedanken dabei, wer für ein Angebot selbst 10 Tage braucht aber innerhalb von 48h eine Rückmeldung braucht, der kommuniziert falsch oder zu mindestens nicht so wie ich mir das vorstelle. Am Ende war es mehr ein Gefühl nein zu sagen als die nackten Zahlen.
Die Idee von mehr offline ist mal wieder in mir durchgebrochen, 2 Wochen bin ich um das Zeit Campus Magazin – Endlich offline. Mit dem Smartphone fühlen wir uns oft erschöpft, ohne uns fühlen wir uns nackt herumgeschlichen, dann habe ich es doch gekauft.
Nackt fühlte ich mich am Montag als ich auf dem Weg zum Pickleball feststellen musste das ich mein Smartphone zu Hause liegen lassen habe, also rein in die S Bahn und ab auf den Platz. Das der Montag sich zu einem Rausch mit 3,5h Pickleball entwickeln sollte, wer hätte das gedacht, das der Minijob für den ich gerade im Büro arbeite 3h Arbeit komplett offline und ohne digitale Lösungen Arbeit für mich bereithält, was für eine nette Überraschung. Und so sortiere ich Post, arbeite mich durch ausgedruckte Listen, scanne Briefe, na gut so ganz komplett ohne digital geht es dann doch nicht. Das ich mich dabei in einen wahren Rausch arbeite kommt nicht ganz von ungefähr, ich habe das schon immer geliebt mich mit einer Sache ganz intensiv auseinanderzusetzen. Ob als Kind bei dem, Arcade Rennspiel Re-Volt kleine Spielezeug Autos durch einen Parkour an Spielzeugen und Hindernissen zu lenken oder jetzt beim Sortieren von Briefen, für mich zählt absolute Präzision und Geschwindigkeit, das pure Ergebnisse, am liebsten ohne zusätzliche Besprechung.
Als ich im Flax Berlin letztens die Teller abgespült habe da kam mir plötzlich dieser Gedanke, ich bin auf dem Weg vom Millionär zum Tellerwäscher, gerade rückwärts die Karriereleiter runter. Kürzlich musste ich für das Job Center all mein Vermögen zusammenrechnen, es sind weniger die digitalen Zahlen auf meinen diversen Konten die mich beeindrucken, mehr die Erkenntnis, ich bin jetzt schon über ein Jahr Millionär, Zeitmillionär. Es ist nicht mein klarer Wunsch das lange zu bleiben, aber ich kann mich auch damit arrangieren, wenn es noch ein Stück anhält.
Ich hatte vor einigen Wochen eine kurze Phae der Orientierungslosigkeit, die Tage fühlten sich lang an, ich wusste nicht wohin, aber gerade dreht sich alles wieder in die richtige Richtung. Ein Blick in meinen Kalender zeigt die richtige Struktur, ein bisschen Arbeit, wenig Geld, dafür Lebensmittel retten, Sport treiben bin zum Bad im Schweiß, offline sein beim Brettspieleabend. Es wird nächste Woche Tage geben da werde ich das ausweiten. Ich habe entschieden meiner Liste an Punkten wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, geplant ist in Friedrichshain ohne Handy zu frühstücken, dafür mit dem Buch „Befreiung von Überfluss“, ich werde das Lokal „Lokal“ mit moderner deutscher Küche besuchen und in Karlshorst das Museum zur Dokumentation des Krieges an der Ostfront (2. Weltkrieg) und Ort der deutschen Kapitulation 1945 besuchen.
In deutschen Spitzenrestaurants hat sich der Trend entwickelt ein „Signature Dish“ auf die Karte zu setzen, zu lesen ist dann vom Sellerie reif & jung – 1 Jahr gereifter Sellerie oder Kartoffel, Molke, Liebstöckel oder Wasabi Kaisergranat. Ich habe für mich selbst einmal überlegt ob es in den letzten Monaten so einen Signature Moment gab. Bei all den Momenten im Winter 2025 und 2026 gibt es einen Ort den ich nicht aus meinem Kopf bekomme und wo ich mich am liebsten noch einmal hin beamen möchte. Ich weiß die Reise würde lang werden, sollte ich aber irgendwann einmal für 2 bis 3 Tage offline sein und verschwinden es könnte sein das ich im tropischen Dschungel von Ubud wieder auftauchen werde.
