Vergangenheit ist dieser Text. 144 Tage, handgeschrieben und analog in meinem Tagebuch festgehalten, Erinnerungen die mir keiner mehr wegnehmen kann.
Am 5.11 bin ich bei 8 Grad mit der Bahn losgefahren. 144 Tage später bin ich bei ebenfalls 8 Grad mit dem Taxi angekommen.
Die Ironie an der Sache ist, zwischendurch habe ich quasi keinen Winter erlebt.
Außer kurz nach dem Start in Hamburg und für 2 Tage in der Fjordpassage in Neuseeland hatte ich jeden Tag mehr als mindestens 20 Grad und in Tonga sogar 33 Grad bei 100% Luftfeuchtigkeit und ausgerechnet da bin ich Rad gefahren.
Ich bin 25.958 Seemeilen mit dem Schiff gefahren, das entspricht 48.074 Kilometer.
Würde man von Berlin aus ein Loch durch die Erde bohren, auch Antipode genannt landet man 500km östlich von Neuseeland.
Am 1. Februar hatte ich in Oban nicht nur den südlichsten Punkt meiner Reise erreicht, sondern war auch unfassbar weit weg von Berlin.
Ich hatte auf meiner 112-tägigen Kreuzfahrt nicht nur viel Spaß, sondern habe wann immer es möglich war Land und Leute so gut wie es in der kurzen Zeit möglich ist erkundet. Ich habe im Opernhaus von Sydney gesessen, habe die Statuen auf den Osterinseln bewundert und bin am Riff von Moorea mit kleinen Haien geschwommen. Dies ist nur eine kleine Auswahl.
Auf dem Schiff habe ich gute Kontakte geknüpft. Mit 80kg bin ich gestartet und mit 2kg mehr wieder gekommen. Die Verpflegung auf dem Schiff war also gut und abwechslungsreich, ich habe aber auch oft genug das Fitnessstudio gesehen, mehrere Bücher gelesen darunter ein fast 1000 Seiten Buch. Berlin – Biographie einer großen Stadt. Ich habe Mandala gemalt und Doppelkopf erlernt und witzigerweise stand ich auch vor circa 500 Leuten auf der Bühne und habe einen witzigen Text über Kreuzfahrt vorgelesen.
Nach meiner Kreuzfahrt habe ich 2,5 Wochen in Bali verbracht. Dort habe ich Kultur und Natur entdeckt und exotisch und scharf gegessen. Mit Pickle Ball habe ich nicht nur eine neue Sportart entdeckt sondern auch ein Hobby mit nach Berlin gebracht was ich fortsetzen werde. In den Reisfeldern von Ubud war es so schön das ich fast geweint habe und einen Bali Belly hatte ich natürlich auch.
In Singapur ist mir eine moderne und futuristische Großstadt begegnet die mit Wolkenkratzern, Digitalisierung, Sauberkeit und einem modernen U-Bahn System beeindruckt. Gleich an meinem ersten Abend musste ich nach einem 20-minütigen Spaziergang durch eine Einkaufsmall stehen bleiben und staunen.
Ich bin zurück geflogen so wie ich das fast 1 Jahr im Voraus geplant hatte mit dem Lufthansa Flug LH769 Sitzplatz 12K Singapur München und dann weiter nach Berlin.
Nach 5 Monaten sozialer Auszeit hat es nicht einmal 30h gedauert bis ich mich wieder integriert habe. In den ersten 2 Wochen habe ich fast alles erlebt was mich ausmacht. Badminton, Spieleabend, Freunde für Kino oder Essen treffen, Abendessen im Flax und Karaoke moderieren im Flax, mein neues Hobby Pickle Ball spielen in Mariendorf, durch die Stadt spazieren, ins Museum gehen, Bowling Spielen und natürlich Eis essen.
Es gibt eine Sache die in dieser Auflistung nicht vorkommt.
Arbeit! Was ist eigentlich Arbeit?
Ich habe die KI gefragt und eine einigermaßen brauchbare Antwort gefunden. Für Philosophen wie Hannah Arendt oder Karl Marx ist Arbeit das, was uns zum Menschen macht. Wir gestalten unsere Umwelt, schaffen bleibende Werte und geben unserem Leben eine Struktur. Früher war Arbeit oft mühsam, heute suchen wir nach dem Sinn der Arbeit.
Ein Blick in mein Bücherregal offenbart eine ironische und moderne Auffassung zum Thema Arbeit.
Da finden sich Werke, wie: Ich arbeite in einem Irrenhaus. Am liebsten hasse ich Kollegen. Feierabend. Warum man für seinen Job nicht brennen muss oder Utopie für Realisten. Die Zeit ist reif für eine 15 Stunden Woche.
In den letzten 5 Monaten habe ich ganz bewusst darüber nachgedacht was Arbeit für mich bedeutet. Ich bin zurück gekommen mit der Einstellung. Ich kann und ich will arbeiten aber eben auch mit der Idee ich mache mich nicht mehr kaputt dafür. In Zukunft will ich nicht 40h Starr vor einem Laptop sitzen und in Montag morgens Meetings über ausgedachte Zahlen Ziele diskutieren. Um ehrlich zu sein, ich habe zwar 12 Jahre Berufserfahrung aber irgendwie hasse ich es zu arbeiten. Das fühlt sich zwar verboten an es einmal auszusprechen. Aber für mich ist Arbeit oft nur ein Mittel zum Zweck, man Tauscht Lebenszeit gegen Geld für ach so tollen Konsum um Dinge zu kaufen die man eigentlich nicht braucht.
Ich habe schon einige Jahre die Idee mich zu minimalisieren, jetzt ist die beste Zeit daran zu arbeiten. Ich weiß es wird unfassbar hart eine Arbeit zu finden die wirklich zu mir passt, am liebsten 30h in der Woche, irgendwas mit Lebensmitteln, Verpackungsprodukten oder chemischen Produktionsschritten. Gern nah dran an einer Produktion, trotzdem mit der Bequemlichkeit eines eigenen Schreibtisches.
Und so bleibt am Ende eines.
Die Zukunft wird spannend, egal ob mit oder ohne Job, viel wichtiger ist was mich ausmacht und wir gemeinsam erleben, denn Zukunft ist Verbundenheit und Zukunft ist immer der nächste Augenblick.
