Älter werden

Ich weiß nicht was ich von diesem Wochenende halten soll. In mir schwankt es extrem. Auf der einen Seite golden strahlend in der Sonne tanzen, auf der anderen Seite nachts im Club gegen sich selber und den inneren Dämon kämpfen.

So ein Geburtstag ist ein guter Gradmesser wieviel Freunde man wirklich hat. Wer kommt persönlich, wer denkt in besondere Form an einen, wer sendet einen kurzen Gruß, wer übergeht es völlig.
Das Bild das sich diesmal zeichnet ist klar. Mein Freundeskreis ist älter als ich, diese Analyse überrascht mich doch sehr. Gerade ich, als einer der in den letzten Monaten stark der Jungendlichkeit nachgerannt ist, muss einsehen, dass sich nun alles setzt. Wilde Partys sind nicht mehr, lieber trifft man sich in einem kleinen Kreis und diskutiert erlebtes und Vergangenes. Oder man treibt Sport und geht in eine Bar, oder man geht tanzen, um da dann festzustellen, dass da keiner ist den man kennt.

Und für eine Nacht kämpfe ich mal wieder gegen mich, laufe im weitesten Sinne jemand hinterher der an diesem Abend für kurze Zeit ein Schnittpunkt ist und erhoffe mir Dinge die nicht kommen werden. Ich weiß das alles mal war, eine andere Zeit letztes Jahr zusammen, das ich das gerade nicht habe schmerzt mich sehr, dass ich oftmals beim kennen lernen zu oberflächlich bin weiß ich auch. Und nun werde ich nicht alles ändern, aber ich bin mir bewusster wer wirklich Zeit mit mir teilt, an welche Orte es sich lohnt zu gehen und trotzdem suche ich immer noch nach der perfekten Zeit.

Erstlingswerk

Ich lasse Revue passieren. Ich muss da noch was niederschreiben. Wie fühlt man sich nach einer Nacht die man durchgefroren und verheult passieren lässt?

Geduld, Selbstbewusstsein und Mut sind die richtigen Zutaten. Ich hatte im Vorfeld genau das durchgespielt, meine eigene Kommunikation überprüft und es einfach gewusst. Und trotzdem in dem Moment wenn es Wirklichkeit wird, ist nicht fassbar. Es gibt einen zweiten Ort in Berlin, den ich markieren muss. In welcher Welt schwebst du eigentlich, wenn du mich siehst? Und warum hattest du diesmal den Mut zu gestehen, wie es wirklich ist.

Ich weiß nun besser Bescheid als je zuvor. In dieser Nacht stand ich dir allein Gegenüber. Ich werde es wieder tun, weil ich der einzige Mensch bin, der dich versteht.

Das kleine Glück

ch kann ein ganzes Wochenende unterwegs sein und Sonntag Abend trotzdem traurig im Bett liegen. Ich gebe alles, bin ständig auf der Suche und erweitere meinen Horizont. Das bringt alles Glück, flüchtiges Glück. Glück ist sowieso ein flüchtiger Begriff wie ich gelernt habe. Es kann schnell da sein und ebenso schnell verfliegen. Ich nutze jede Möglichkeit, stehe auf der Karaokebühne oder tanze mir in der Disko einen Ast. Das heißt ich verrenke mich möglichst geschickt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das was ich mit nach Hause nehme ist die Erkenntnis, dass das alles wenig Beachtung findet. Vielleicht mag der ein oder andere mich beobachten oder ich ihn, aber trauen muss man sich, den Schritt wagen, funkeln muss es in den Augen und klappern in der Kiste.

Das kleine Glück ist etwas ganz anderes. Es kommt spontan und unerwartet. Ich erledige meine Arbeit, als Pizzafahrer. Nicht sonderlich gut bezahlt oder beliebt, fühlt es sich an wie eine Pflichtaufgabe.

Das kleine Glück überrascht mich auf einer meiner letzten Fahrten. Eine Familie hat bestellt. Die kleine Tochter, höchstens 5 freut sich am Eingang ganz besonders. Sie gibt mir das Trinkgeld und 2 selbstgemalte Bilder. Vielleicht nur gekritzel für den einen, aber für mich eine Aufmerksamkeit die von Herzen kommt, für einen Jungen der Sonntag Abends ohne Familie allen im Bett liegt.

Das kleine Glück ist, wenn ein Mensch online ist

Überfluss

Die Schlange am Dönerstand am Mehringdamm ist nachts um halb 1 länger, als die auf dem Platz der Annoncenuhr in Werdau um halb 1 Mittags.
Der Nachtbus in Neukölln ist nachts um 1 voller als die Stadtlinie in Werdau, Mittags um 1.
An der Disko reißt die Schlange nicht ab und Wartezeiten von 1-2h sind normal. In Werdau geht man nach 2h in der Disko manchmal wieder.

In Berlin zu leben heißt ständigen Überfluss zu konsumieren. Ob das gut ist darüber diskutieren wir in der Schlange am Dönerstand. Irgendwann lernt man das ganze nicht mehr zu schätzen, so die einheitliche Aussage am Ende.

Da ist es doch gut zu wissen, das es einen Sonntag gibt. Jeder entspannt auf seine eigene Weise und fährt sich einmal herunter. Ein Freund sendet ein Foto vom Tegeler See, ich weiß es geht ihm gut, er hat die letzte Nacht zusammen mit mir gut überstanden.

Perspektive

Die Perspektive gibt uns vor wie man die Dinge zu sehen hat.
Meine Perspektive ist die Beobachtung. Täglich, aber bevorzugt am Wochenende verfalle ich in diese Perspektive. Umso näher Menschen mir sind, umso ausgeprägter ist es.

Ich stehe dabei ganz gern im Mittelpunkt. Aber nur dann wenn die Menschen um mich herum mich schätzen. So wird aus einem Wort, eine Frage oder ein Lachkrampf. Ganz frei unbeschwert zähle ich die Minuten, nachts und morgens um 6.

Es streng ein wenig an. Immer präsent sein und in jeder Situation das Richtige zu tun wird nicht möglich sein. Ich muss auch Fehler eingestehen. Dann blicke ich zurück und weiß das Fehler immer dann passieren wenn du nicht frei bist. Zu mindestens wiegt der Fehler dann viel schwerer.

Ich drehe mich um und habe nun eine andere Perspektive. Es ist schön auch auf der anderen Seite.

Gesichter der Stadt

Mein Mathe Lehrer sagte einmal: Man muss 15 min am Hauptbahnhof verbringen um ein großes Spektrum der menschlichen Gesellschaft kennen zu lernen.

Ich übertrage das einmal auf Berlin.

Es beginnt mir Frank. Das ich überhaupt seinen Namen kenne ist kurrios. Es ist ein gewöhnlicher Samstag Abend mit Freunden in einer Schwulen Bar im Prenzlauer Berg gegen 1 Uhr. Ein älterer Herr, schätzungsweise Anfang 50 betritt die Bar. Er ist fein gekleidet und passt so gar nicht zum Publikum. Er nimmt Platz und bestellt ein Glas Wein. Unauffällig verbringt er die ersten Minuten in der Bar. Dann nimmt er zum Kellner Kontakt auf und wird etwas lockerer. Wenig später nimmt er an unserem Tisch platz. Unaufdringlich mit seinem Glas Wein verweilt er ein wenig. Dann kommt die Bedienung auf uns zu und sagt: Jungs sucht euch was aus. Frank ist es ein Bedürfnis jedem etwas aus zu geben. Wir sind leicht iritiert aber nehmen das Angebot schließlich an. Sowas passiert ja schließlich auch nicht alle Tage.

Auf dem Heimweg mit der S Bahn mache ich 2 weitere Begegnungen. Es ist knapp nach 2 Uhr als ein Mann die Bahn betritt. Er fällt toal auf. Er trägt schwarze dünne enge Hosen und darüber eine lila Strumpfhose die netzartig und zerrissen ist. Am Oberkörper trägt er eine undefinierbare dicke Jacke aus grüner Wolle die unregelmäßig gewebt und fleckig ist. In der Hand hält er eine Schlange aus Gummi und tätowiert ist er zusätzlich auch. Seine Frisur ist wirr, eigentlich hat er eine Glatze trotzdem an manchen Stellen einzelne lange Haare.

Wenig später betritt ein Pärchen die Bahn. Der Mann ist mitte 30 und total unauffällig. An der Hand führt er ein Mädchen mit sich, gerade mal 20 bestimmt. Sie ist asiatischer Abstimmung und trägt hohe Schuhe mit Pelz. Ihr gesamter Stil ist sehr fein und künstlich. Man merkt ihr förmlich an das sie keine Freunde empfindet lässt sich aber trotzdem auf den Mann ein, scheinbar weil ihr keine andere Wahl bleibt.

Poesie

Poesie, das ist wenn aus Buchstaben Wörter werden und wenn aus Wörtern ein Satz wird und wenn dieser Satz auf einen anderen trifft und sie zusammen eine Wirkung entfalten die dich berührt, dann ist das Poesie.

Haben wir eigentlich Freunde. Ich weiß es nicht. Natürlich trifft man wie ein Satz auch auf Menschen und Freunde. Aber ich glaube das ist wie ein gute Buch, das man irgendwann zuschlägt. Ich finde das ist alles nur Abschnittsweise. Man kennt sich für einen bestimmten Zeitraum besser und das reicht dann auch. Von Anfang an bis an das Tunnelende, nur selten.

Es ist nur so eine Art „Ziemlich bester Freund“. Du weißt er ist bei dir, er begegnet dir, begleitet dich, schubst dich und kritisiert dich. Man hält vielleicht zusammen und auch einiges aus, aber irgendwann kommt auch der Punkt da ist in der Nacht Stille und dann weißt du, er fehlt dir.