Wie in einem romantischen Till Schweiger Film, nur offen ist das Happy End.
Es ist folgendermaßen. Ich habe mir das nicht selbst ausgesucht, es ist einfach so in meinem Genpol verankert, das ich nur ganz bestimmte Signale und Schwingungen empfange und versende.
Für einen kurzen Moment dachte ich mein Leben ist perfekt und läuft in geregelten Bahnen, doch dann stolpere ich über diesen komischen Montag.
Doch der Reihe nach. Zurückblickend kann ich nicht mehr genau sagen, wann die Geschichte beginnt sich zu entwickeln. Es muss irgendwann im Sommer gewesen sein, wobei ich mich an einen so richtigen Sommer gar nicht erinnern kann, also sagen wir September. Ich habe da ja mein Ritual meist gegen 12 Uhr mit Kollegen, an Schnitzeltagen gern auch mal 10 min früher oder wenn mir die Laune danach ist auch mal allein und erst Viertel nach 12 in die Kantine bei der Firma neben an zu gehen.
Erfreulicherweise haben die einen jüngeren Altersschnitt als wir selbst und in letzter Zeit immer wieder neue Leute eingestellt.
Und so fiel mein Blick auf einem Jungen, offensichtlich Anfang 20, vielleicht nur ein Praktikant oder auch ein Student, jedenfalls anfangs unregelmäßig zum essen und deshalb auch nicht so wichtig für mich.
Doch bald wurde aus den flüchtigen Begenungen eine gewisse Regelmäßigkeit und so begann ich zu beobachten. Mal kam er in Arbeitskleidung, mal privat, immer sitzt er bei bestimmten Kollegen an einem Tisch ganz hinten, isst sehr schnell und spielt dann am Handy.
Mal war ich eher in der Kantine als er, mal später, aber oft genug trug er fröhlich fast schon leicht hopsend sein Tablett an mir vorbei und es kreuzten sich auch Blicke, ob bewusst oder unbewusst ich kann es nicht sagen.
Einmal sagte er Hallo, aber ich wusste nicht ob es mir galt oder einfach nur ins nichts hinein war. Es war auch zu einer Zeit als er wohl noch nicht sicher war ob ich in der selben Firma arbeite wie er.
Einmal sahen wir uns morgens in der Bahn, er mit Longboard, ich mit Roller und an der Ampel musterten wir uns gegenseitig neugierig. Später saßen wir auch im Bus, stiegen an der gleichen Haltestelle aus und gingen getrennte Wege, um uns beim Mittag wieder zu sehen.
Also intensivierte ich meine Routine. Ging bewusster und ab und an gern auch mal allein essen, suchte auch mal einen Platz in seiner Nähe um unauffällig das Handydisplay zu studieren oder im Idealfall auch einen virtuelles schwules Radarhilfsmittel zu entdecken.
Dreisterweise war ich auch einmal in der Lage ein paar interessante Gesprächfetzen über sein Privatleben zu hören. Doch wirklich Aufschlussreich waren diese nicht.
Was blieb war der Blickkontakt, von meiner Seite bewusster von ihm ab und an irgendwo zwischen bewusst und flüchtig.
Und so vergingen die Wochen zwischen Oktober und November bis hin zum Dezember.
Einmal noch hatte ich die Möglichkeit ihn näher zu studieren als er neben mir stand und sich freundlich beim Koch danach erkundigte was genau Hoki Filet sei.
Und so lege ich mich jetzt fest, nicht rein Deutsch weil mit einem Einschlag aus Asien, möglicherweise indonesisch und sagen wir 23, also schon solide ausgebildet oder gerade frisch aus dem Studium kommend, jedenfalls in einem Bereich der Technik und Verwaltung miteinander verbindet also Mechatronik, ob ich es jeweils so genau erfahren werde es liegt nun in seinen Händen. Wie kommt das genau?
Wie gesagt ich bin über diesen komischen Montag gestolpert. Mein Chef fragte mich schon 11:40 Uhr ob ich essen gehe. Eine neuerdings komische Anngewohnt sich vor der Hochzeit ab 12 Uhr schön das Essen zu sichern. Ich sehe das locker und entspannt und gehe dann wenn ich Hunger habe, diesmal also 12:15 Uhr. Und diesmal war alles so sie immer. Er saß wieder in der letzten Reihe, gerade fertig mit Essen und dann schnell am Handy spielen. Ich aß in Ruhe und 20 min später sollte er sein Tablet an mir vorbeitragen und einen Blick gab es auch und ganz unbewusst war der nicht. Mein Arbeitstag verging und diesmal sollte ich erst den Bus um 16:20 Uhr nehmen. Auf dem Nach Hause Weg hatten wir uns bisher noch nicht gesehen. Er saß bereits im Bus und ich stellte mich auf Sichtkontakt. Wahrgenommen hat er mich aber nicht aktiv geschaut und nach kurzer Fahrt sollten wir am U Bahnhof beide aussteigen, nebeneinander über die Ampel und dann zufällig sich anschauen, aber nicht einfach nur kurz sondern schon eine recht lange Sekunde. Er etwas flotter die Rolltreppe hinunter und ich auf dem Treppen langsam hinterher. Spätestens jetzt war mir klar ich kann und muss was sagen, wenn ich mehr herausfinden will, aber ein einfache spontanes Hallo wollte mir nicht über die Lippen und dann war er auch schon weg, weil er spontan in die andere Richtung gefahren ist.
Traurig saß ich in der U Bahn und screenshottete mein Leben. Du fehlst. Warum traust du dich nicht ihn anzusprechen und du hast Angst vor Ablehnung und Misserfolg standen da.
Und so suchte ich Rat im Freundeskreis und setzte noch am Abend einen kleinen Text auf einem weißen Blatt Papier auf, der mich für die kommenden 3 Tage in meiner Geldbörse begleiten sollte.
Und so perfektionierte ich in den nächsten Tagen meine Abläufe, ging bewusst später und allein essen, setzte mich so das ich ihn stets sehen konnte, einfach in der Hoffnung das er irgendwann allein sitzt oder allein sein Tablett zurück trägt und ich etwas sagen kann, doch dazu sollte es nicht kommen.
Ich überlegte noch einmal später einen Bus zu nehmen, wusste aber auch es ist nicht gut sich in irgendeine Abhängigkeit zu begeben.
Die Woche eilte voran bis Donnerstag Nachmittag und ich war schon spät dran als ich 16:35 Uhr am Bus mit Roller stand. Und plötzlich war er da auch auf der anderen Straßenseite, gerade auf dem Handy am schauen wie er wohl am Besten nach Hause kommt. Ich wusste jetzt ist meine letzte Chance also bin Ich etwas stürmisch mit dem Zettel in der Hand zu ihm hin und habe gesagt das ist für dich. Verdutzt und etwas ängstlich hat er gesagt was ist das? Und ich erwiderte das ist ein Zettel für dich, da steht etwas drauf für dich und wir sehen uns in 10 Tagen wieder. Dann bin ich einfach los. Mit anderen Worten ein paar nette Worte hat er jetzt und auch meine Handynummer, ich bin jetzt geflüchtet. 10 Tage Schiff, weniger Internet und viel mehr erleben.
