Auf der Suche nach der homosexuellen Subkultur

Moderne Schnitzeljagd. Wir nutzen grindr als Peilsender um die Schwulen zu suchen, die hier irgendwo im Gebüsch stehen und sich gegenseitig einen blasen. Es ist Sonntag gegen 19 Uhr und wir stehen am Fuße des großen Bunkerberges im Volkspark Friedrichshain. Was für viele ein schönes Ausflugsziel ist, ist für andere die Gelegenheit sich schnell und unkompliziert einen abblasen zu lassen oder sich den Mund an einem Schwanz wund zu scheuern.

Wir beginnen unseren Aufstieg immer mit spannenden Blicken nach oben. Der Nervenkitzel steigt als wir 3 junge Männer beobachten, die im Kreis stehen und miteinander reden. Einer will erkannt haben, wie sie sich an den Arsch fassen, doch es passiert nichts. Wir gehen ein Stück höher und kämpfen uns querfeldein durch das Gebüsch. Erneut beobachten wir Verdächtiges. Als wir am oberen Teil des Berges angekommen sind, sind wir enttäuscht. Die verdächtigen Personen entpuppen sich als normale Ausflügler. Ein homosexuelles Pärchen sitzt auf der Steinmauer und sie streicheln sich gegenseitig an den Händen. Das war es dann leider schon.

Trotzdem muss sich irgendwo ganz in der Nähe die homosexuelle Subkultur treffen. Es gibt da ein Gebiet, das nennt sich Zauberwald. Die Vegetation ist noch nicht weit genug fortgeschritten und von der Uhrzeit war es auch noch zu früh. Aber bald wird es hier in den Dämmerstunden richtig abgehen. Ich will sie einmal sehen, wie sie da stehen und sich blasen.

Jetzt ist die schönste Zeit

Nicht unbedingt wegen der Fußball EM. Was 22 Mann auf dem Rasen treiben sollte nicht wichtiger sein als das eigene Leben.

Der Wochenstart noch etwas träger. Ich fühlte mich fast krank und antriebslos. Gut das mit dem Tischtennistraining gleich ein regelmäßiger Termin mich in Schwung brachte.
Einen Tag später der eigene Antrieb. Ich mag es Menschen zu treffen, um zu kommunizieren. Vielleicht war uns beiden von Anfang an klar das es keinen ernsteren Hintergrund hat, aber allein der Austausch zwischen 2 Welten, war interessant genug.

Und plötzlich war sie da diese innere Aufruhr. Eine Fahrradtour, Kontakt mit Freunden, gutes essen, alles steigerte sich, da ist sie, die schöne Zeit von der ich spreche.

Und so steht plötzlich das Wochenende vor der Tür. Eintauchen in die Berliner Clubszene. Springen, tanzen schwitzen und das bis es hell wird.

Samstag ein kleiner Schreck. Wieder mit dem Fahrrad unterwegs, eine glatte Kante und eine Unachtsamkeit und schon liege ich auf der Fahrbahn. Im ersten Moment scheint nicht viel passiert zu sein, aber später in der S Bahn bemerke ich Blut am Hosenbein und sehe das ich das Knie aufgeschlagen habe. Ich falle, ein Moment wo ich merke es fehlt mir jemand an meiner Seite der mich tröstet oder wenn ich nach Hause komme.

Gut das meine Gastfamilie für mich da ist. Ich bekomme Abendessen, ein Flüssigpflaster und bin schneller fit als gedacht. Keine blöden Fragen oder mahnende Worte. Schneller als gedacht und ich habe schon wieder Lust.

Und so zieht es mich auch an diesem Abend zum tanzen. Zur Popkicker Party ins Schwuz. Ich mag diese Party, ich mag diesen Ort und allein die Tatsache das ich diesen Ort allein betrete ist mutig. Ich bin präsent, spiele Tischtennis, beobachte, sehe bekannte Gesichter und werde bestimmt auch beobachtet. Doch es passiert wenig. Einmal treffen sich Augenpaare, doch diese verschwinden bald. Ich versuche es, doch am Ende steht keine Antwort.

Ich wüsste auch nicht sofort wie diese aussehen würde, aber ich glaube anders als am Sonntag allein seinen Eisbecher zu essen.

My friend <3

Der letzte Satz

Ich werde mich melden, ganz bestimmt.
Das ist er immer, der letzt Satz in einer homosexuell geprägten Kommunikation.
Es folgt die Absage, oder das sich derjenige nicht mehr meldet.
Ich habe darin eine gewisse Routine entwickelt, das es mich fast gar nicht mehr stört.

So war es dann auch heute morgen um 11 wieder.
Ich stehe plötzlich vor der Aufgabe allein den Tag zu gestalten.
Es läuft ab wie immer. Ein wenig Angst, eine Entscheidung und dann geht es los. Ein gewisser Beutel mit der Aufschrift MIA. unterstützt mich dabei. Insgeheim hoffe ich ja, in Berlin einen gleichgesinnten zu finden, dann werde ich ihn oder sie ansprechen.
Vorbei am Alexanderplatz, ein Tacheles Sticker, es war zu erwarten.

Angekommen im flax zum Bruch. Steffen weiß sofort Bescheid. Ich bin der Junge aus dem Süden mit dem komischen Akzent und er fragt sofort ob ich bei der MIA. Autogrammstunde war. Er hätte immer an mich gedacht und so zeige ich stolz meinen Beutel mit den Autogrammen. Beutel als Kommunikationsmittel, das klappt doch.

Der tag vergeht. Ich speise wie immer ausgiebig, chatte und unterhalte mich auch, das ist die Hauptsache.

Später zu Hause. Meine Absage meldet sich doch. Mit dem Hund wäre was gewesen. Na schauen wir mal.

Fast am Limit

Es ist gut zu wissen, das ich fast am Limit lebe. Nach 8h Arbeit ist meist noch nicht Schluss. Ich bin unterwegs, allein beim Sport, bei Freunden zu Hause oder mit Freunden auf Konzerten oder zum Essen und Einkaufen. Trotzdem würde noch mehr gehen. Schmerzlich musste ich auch diese Woche wieder erleben, das es gar nicht einfach ist neue Freunde zu finden, besonders dann, wenn vertrauenswürdige Chatbekanntschaften kurzfristig absagen hinterbleibt ein Gefühl, welches nur eine Leere beinhaltet.

Da tut es auch nicht gut sich im Kreise der Familie zu bewegen. Es funktioniert einfach nicht so gewünscht wenn hier zwei Gedankenwelten aufeinandertreffen. Die eine besteht aus Fragen und die meinige aus Antworten und Aussagen. Ich bin glücklich und minimalistisch besonders in der Weihnachtszeit. Vollgepumpt mit ständigen neuen Informationen bin ich es irgendwann leid zu beantworten ob mir was materielles als Weihnachtswunsch fehlt oder ob ich Appetit auf eine überteuerte Speise auf dem Weihnachtsmarkt habe.

Eine Antwort wäre Akzeptanz. Aber ich bin mir mittlerweile sicher das ich diese im familieären Rahmen nie zu 100% bekommen werde. Ein offizielles Outing gab es zwar schon, aber missverstanden kam es nie an. Also wird es irgendwann über den härteren Weg gehen, wenn ich einfach meinen Freund mitbringe. Dazu müsste das mit den Verabredungen mal klappen. Ein Teufelskreis.

Jedenfalls bin ich frohen Mutes und auch schon bereit auf kommendes. Ich habe wieder mal ein paar Wort verwendet die nicht die meinigen waren. Der scharfe Beobachter wird schon wissen welche es sind. Vielleicht gibt es ausgerechnet dafür Kritik, es kann sein, aber ich bin ein freundlicher Mensch. Egal was auf mich zukommt, ich werde es freundlich kommentieren.