Mein Mathe Lehrer sagte einmal: Man muss 15 min am Hauptbahnhof verbringen um ein großes Spektrum der menschlichen Gesellschaft kennen zu lernen.
Ich übertrage das einmal auf Berlin.
Es beginnt mir Frank. Das ich überhaupt seinen Namen kenne ist kurrios. Es ist ein gewöhnlicher Samstag Abend mit Freunden in einer Schwulen Bar im Prenzlauer Berg gegen 1 Uhr. Ein älterer Herr, schätzungsweise Anfang 50 betritt die Bar. Er ist fein gekleidet und passt so gar nicht zum Publikum. Er nimmt Platz und bestellt ein Glas Wein. Unauffällig verbringt er die ersten Minuten in der Bar. Dann nimmt er zum Kellner Kontakt auf und wird etwas lockerer. Wenig später nimmt er an unserem Tisch platz. Unaufdringlich mit seinem Glas Wein verweilt er ein wenig. Dann kommt die Bedienung auf uns zu und sagt: Jungs sucht euch was aus. Frank ist es ein Bedürfnis jedem etwas aus zu geben. Wir sind leicht iritiert aber nehmen das Angebot schließlich an. Sowas passiert ja schließlich auch nicht alle Tage.
Auf dem Heimweg mit der S Bahn mache ich 2 weitere Begegnungen. Es ist knapp nach 2 Uhr als ein Mann die Bahn betritt. Er fällt toal auf. Er trägt schwarze dünne enge Hosen und darüber eine lila Strumpfhose die netzartig und zerrissen ist. Am Oberkörper trägt er eine undefinierbare dicke Jacke aus grüner Wolle die unregelmäßig gewebt und fleckig ist. In der Hand hält er eine Schlange aus Gummi und tätowiert ist er zusätzlich auch. Seine Frisur ist wirr, eigentlich hat er eine Glatze trotzdem an manchen Stellen einzelne lange Haare.
Wenig später betritt ein Pärchen die Bahn. Der Mann ist mitte 30 und total unauffällig. An der Hand führt er ein Mädchen mit sich, gerade mal 20 bestimmt. Sie ist asiatischer Abstimmung und trägt hohe Schuhe mit Pelz. Ihr gesamter Stil ist sehr fein und künstlich. Man merkt ihr förmlich an das sie keine Freunde empfindet lässt sich aber trotzdem auf den Mann ein, scheinbar weil ihr keine andere Wahl bleibt.
