Herz zerreißend

Ich schreibe diesen Eintrag, weil ich weiß, dass sein Inhalt irgendwann einmal wichtig werden wird.
Ich möchte jemandem zum Geburtstag gratulieren. Er gehört nicht zu meiner Familie, nicht zu meinem Verwandtenkreis und auch nicht zu meinen Freunden. Ich kenne Ihn nur virtuell und trotzdem ist er ein wichtiger Teil in meinem Leben momentan.
Was ist das zwischen uns?
Alles begann im November. Ein Blick, ein Bild und in diesem Moment ist irgendwas passiert. Bis heute weiß ich nicht genau was mich an deinem Gesicht fasziniert, aber irgendetwas hast du, etwas das ich mir nicht erklären kann, kurzum etwas Besonderes.
Wir schrieben, ein paar Worte und ich spürte von Anfang an eine Verbundenheit. Du auf der Schüchternen Seite, ich kommunikativer, aber es passte genau so.
Wir überwanden ein erstes Tabu und telefonierten im Januar. Du magst das nicht, sagtest du am Anfang und trotzdem sprachen wir fast 90 min lang, mitten in der Nacht um 12. Deine weiche Stimme, etwas schüchtern trotzdem direkt mit der gewissen Portion Humor und Aussagen die genau zu dir passten.
Wir wollten das größte Tabu überwinden und uns treffen. Doch du sagtest mir ab und ich weinte einen Nachmittag lang. Ich verzieh dir, weil du weiter kommuniziertest. Die Texte wurden länger die Aussagen direkter, es spitze sich auf eine Brief zu, eine Zeile zitierte ich bereits in einem Eintrag, weil ich sie faszinierend fand. Ich kenne deine größte Angst und auch noch mehr von dir.
Wir wollten es erneut probieren mit einem Treffen doch du sagtest mir wieder ab, auf eine Art und Weise wie ich es noch nie erlebt habe. Ich war wütend, sauer und traurig. Wir stritten und wollten nichts mehr von einander hören.
Doch was passierte dann? Du warst jeden Tag auf meinem Profil und verfolgtest mich wie ein Schatten. Plötzlich kam wieder eine Anfrage von dir und ich gab dir erneut eine Chance. Ich war klar und direkt und sagte nicht viel. Du warst ähnlich in deiner Kommunikation.
Du wolltest einen Text schreiben für mich, einen langen. Du meintest er sei fertig ,du müsstest ihn nur noch absenden. Das war das letzte was ich von dir gehört habe.
Ich weiß nicht warum, aber irgendwo her wusste ich, dass heute dein Geburtstag ist. Jeden Tag schaute ich und heute war es soweit und der Zähler sprang um. Also beschloss ich dir eine SMS zu schreiben, sogar einmal dich anzurufen, aber du hast nicht reagiert, wie so oft.
Ich weiß nicht was du heute gemacht hast. Ich weiß nicht ob du einen schönen Tag hattest, mit deiner Familie oder Freunden gefeiert hast. Ich weiß so wenig über dich.
Das einzige was ich weiß ist, dass du heute an mich gedacht hast und ich an dich.
Deswegen wünsche ich dir von ganzem Herzen
Alles Gute zum Geburtstag.

2 Kommentare

  1. Fuck, irgendwer da draußen muss mich so richtig hassen.

    Die Aussage da oben darfst du gerne ignorieren, aber irgendwie meint mein Karma es heute nicht gut mit mir.
    Mit dir auch nicht, wie ich sehe. Leider sehe.
    Ich kenne dich überhaupt nicht, nicht einmal virtuell, aber ich habe vollstes Mitgefühl mit dir und glaub mir, in dieser Sache kann ich mitfühlen, kann ich all das da oben mitfühlen. Das Internet ist eine beschissene Sache, weil der Andere einfach abhauen kann, wenn ihm danach ist. Weil er einfach gehen und verschwinden und weg sein kann. Und schlussendlich sitzt man alleine da, wartet alleine auf Nachricht, auf Besserung, auf Rückkehr. Man hofft, dass der andere auch wartet. Dass sich die Entfernung, die so urplötzlich aufgetaucht und ihren Platz verlangt hat, wieder geht, dass sie schrumpft und schrumpft und schrumpft, bis sie verschwindet, aber das tut sie nicht. [Bei mir tut sie das nicht. Vielleicht ist deine Entfernung einmal gnädiger.]
    Ich lese bei dir dasselbe „Wusch“, das ich gefühlt habe. Ein bisschen habe ich mich in seine Worte verliebt, nur ein bisschen, ein kleines, winziges bisschen. Dann irgendwann in sein Lächeln. Dann irgendwann in seine Stimme. Nur ein bisschen. Ein kleines, winziges bisschen. Welche Zukunft hatte es denn? Aber ein bisschen verliebt habe ich mich dennoch. Und er? Tja. Das ist auch eine der unschöneren Seiten des Internets – ich weiß nicht, wie es um ihn steht/stand. Vielleicht war er auch ein bisschen verliebt, verknallt, verguckt, zumindest ließ er mich das denken. Sollte es aber so gewesen sein, kann er beeindruckend schnell wechseln von ein bisschen verliebt auf völlig gleichgültig. Oder er verfügt über unmenschliche, unendliche Selbstdisziplin.

    Ich wünsche dir jedenfalls, dass dein virtueller Jemand deine Geburtstagsgrüße bekommen und sich in aufgenommen hat. Das hat echte Größe, die du da bewiesen hast. [Und ein bisschen Ironie, weil ich bevor ich auf deinen Eintrag geklickt habe, Willkommensgrüße verschickt habe.] Und ich wünsche dir, dass er weiß, wann du Geburtstag hast, damit er die Grüße zurücksenden kann, wenn er sich schon zu keiner Antwort hinreißen kann.
    Und ich wünsche dir, dass die Sache für dich gut ausgeht, welche Art von gut es auch immer sein mag.
    Das wünsche ich dir wirklich.

    So und jetzt beende ich das Kommentar. Ein Kommentar von einer Wildfremden, die dir hier erst einmal ihre Leidensgeschichte klagt. Tut mir Leid, dass du das lesen musstest, echt! Aber mein Mitgefühl hast du!

    Liebe Grüße!

  2. Wow, echt. Wie kann es sein, dass man sich so sehr zu jemanden hingezogen fühlt, den man in der echten Welt gar nicht kennt?
    Weil er genau das schreibt, was man hören will?
    Weil man genau das hineininterpretiert, was man hören will?
    Weil man in der echten Welt verlernt hat, mit jemanden ganz intim zu sprechen?
    Ich kenn das jedenfalls sehr gut. Und ich kann mich sehr gut in Dich hineinversetzen. Halt Durch, es wird mit jedem Tag besser!

    Ein schwacher Trost und ne Lebensweisheit: Schmetterlinge im Bauch gepaart mit ganz viel Liebeskummer sind immer noch besser, als gleichgültig und emotionslos durch’s Leben zu gehen!

    Liebe Grüße,
    Happy Girl

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