Pandemie

Ich war mal wieder im Museum und das obwohl die Zahl zum dritten Tag in Folge tiefrot über 100 leuchtete.

Raffeln nennt man das, grob abgeleitet von raffen, etwas eilig voller Habgier an sich reißen, eigentlich offiziell aber doch Raffeln, also etwas mit einer groben Reibe zu kleinen, stiftförmigen Stückchen zerkleinern, raspeln. Etwas das so manch einer mit meinem Gehirn in dieser Zeit gern machen würde.

Vor einem Jahr, als keiner wusste wie es weiter geht, der Bahnsteig menschenleer und 12 Monate später schallt es durchs Telefon. Es ist alles so ziellos und freudlos geworden. Ich finde das gar nicht so. Mag wohl auch daran liegen das ich kein Gewissen kenne, immer nach dem Suche was nicht mir gehört und an mich reise.

Ich bin nach der Wende aufgewachsen, viel Ostmentalität in mir, du stellst dich hinten an und wartest bis du dran bist, lieber 3 Fragen zu viel und schüchtern sein, als frech und in den Arsch gekrochen.

Im Prinzip war ich das auch nie, ob es die ersten Kämpfe um einen Holzroller oder die größere Bank in der Grundschule waren, oft genug habe ich verloren und mich wieder hinten angestellt. Es hat Jahre und Jahrzehnte gedauert um eine Mentalität zu entwickeln die Ich, Ich und nochmals Ich und hier schreien.

Das was ich jetzt gefunden habe liegt alles im legalen Grenzbereich, ob Bildungsurlaub, höhenverstellbarer Schreibtisch oder Headset, ich weiß was mir zu steht und bekomme es, auch wenn manch einer die Augenbraue dabei hochzieht. Und das Kapitel nimmt kein Ende und wird ergänzt um Begriffe wie Home Office Pflicht oder Testpflicht am Arbeitsplatz. Alles keine schönen Wörter für die eine Seite, für mich aber elementarer Bestandteil für einen Schritt zu mehr Normalität, denn man kann uns nicht monatelang einsperren, das führt zu nichts.

Genau das hat man uns schon seit einigen Monaten auferlegt, harte Einschränkungen und dann kommt natürlich irgendwann der Moment da denke ich mir, das hat früher einmal uns gehört, das Recht auf Sport, Kultur, Gastronomie und Freizeit und so ist es immerhin ganz gut das ich einen kleinen Teil davon erleben kann.

Natürlich habe ich mir auch Gedanken gemacht, wie wird sich das anfühlen, wenn alles auf einmal zurück kehrt. Im Prinzip bin ich mir treu geblieben, bin manchmal der Wahrheit etwas ausgewichen, habe aber auch keinen groben Unfung gemacht der mich ganz disqualifizieren würde. Jetzt zurück zu sein auf dem Sofa für ein Videospiel oder auf den Straßen für eine moderne Eiskreation ist eine willkommene Abwechslung.

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