65k

Ich weiß nicht ob das Lachen wirklich so laut war, das man es auch im Schwarzwald gehört hat, aber das was ich jetzt niederschreibe ist die Mitzeichnung eines ironischen Gespräches und was es ausgelöst hat bei mir.

Es ist mal wieder passiert, da ist jemand über mein Profil in einem Karriereportal gestolpert, hat mich angeschrieben und später gleich kurz mit mir telefoniert. Es hat keine 10 min small talk gedauert da hatte er schon den perfekten Job für mich, eine „once in a life chance“ um es gleich mal direkt zu sagen, ein Unternehmen, Weltmarktführer und die sich nur um ihre Mitarbeiter kümmern, ja natürlich. Und so heuchelte ich ironisch Interesse und lies mich im Gehalt gleich mal hoch handeln auf 65k und jetzt finden wir mal den Fehler an der Sache. Das ganze befindet sich natürlich in einer sehr schönen Gegend von Deutschland, ruhig und malerisch gelegen so richtig schön weit ab vom Schuss irgendwo hinter Böblingen bei Stuttgart fast in Frankreich im Wald bei Schwarz.

Und so weiß ich jetzt schon, dass das nichts wird, was mich eigentlich mehr interessiert ist die Frage warum eigentlich ich. Was ist an meinem Lebenslauf eigentlich so besonders das ich plötzlich so viel Wert sein soll.

Ehrlich gesagt kann man da quatschen so viel man will. Es gab diese „once in a life chance“ für mich vor 7 Jahren. Ich bin nach Berlin gekommen nach durchschnittlichem Studium mit wenig Selbstbewusstsein und es war nicht wirklich zu erwarten das es klappen würde in einer Millionenstadt zu überleben, schließlich war ich einige Jahre zuvor in Dresden kläglich gescheitert. Also habe ich mich hart rannehmen und einführen lassen in das was die Stadt zu bieten hat. Ich hatte selbst Ideen wie ich Anschluss finde und bin innerhalb eines Jahres verdammt mutig geworden. Übermütig bin ich abgestürzt ohne Job und Perspektive stand ich am Rand von Berlin. Dann ist irgendwas passiert, das mich in eine eklige Abhängigkeit getrieben hat, das größte Übel der Menschheit ist die künstliche Erfindung von Arbeit und das sie exkat in einem bestimmten Zeitraum 40h die Woche statt zu finden hat. Ich habe es gehasst, mich dagegen gewehrt und bin irgendwann geflogen und dann ist etwas passiert was ich manchmal selbst nicht glauben kann. Es gibt ein paar Menschen die an mich glauben, die mir die Freiheit geben in gewissen Grenzen das zu tun was ich kann, natürlich bleibt es nach wie vor ein Tauschgeschäft zwischen Lebenszeit und Geld, nur ist in diesen Fall das Verhältnis einigermaßen angemessen. Wenn ich ehrlich bin ist das was ich jetzt mache auch nicht mehr als das was ich einfach mache, wenn ich etwas genauer bin ist es sogar schlimm das ich mit meiner Arbeit und den Produkten an denen ich arbeite indirekt ein Produkt und eine Suchtkrankheit unterstütze. Deswegen habe ich mich hingesetzt und darüber nachgedacht, das an meinem Lebenslauf doch irgendwas besonderes sein muss, das in mir viel mehr Potential steckt als ich momentan abrufen muss weis ich nun. Ich weiß auch das es sich irgendwann ändern wird ob das nun 5, 50 oder 500 Tage dauern wird weis ich nicht so genau, denn viele Stellenangebote kollidieren nicht mit meinem Ideal wenig zu arbeiten, leistungsfähig zu sein und trotzdem genug zu verdienen für ein ausgewogenes Leben.

Es ist erstaunlich was ich aus dem mache was mir eine Woche zu bieten hat, ein langer Tag auf Arbeit wirbelt meine Pläne durcheinander und so erfülle ich einen Tag später eben mein Soll, entdecke einen neuen Ort und lecke ein echt teures Eis. Ich integriere mich in eine regelmäßige Runde und beweise das ich auch entschlossen auftreten kann im gemeinsamen Kampf gegen eine Hausverwaltung die nicht so gut ist wie es den Anschein hat. Es ist eine schwere Entscheidung aber ich stelle die einmalige Mietversammlung über eine regelmäßige Runde Bowling.

Diesmal habe ich wirklich großen Spaß am Freitag lecke erneut ein gutes Eis mit einer Freundin und spiele Badminton an meinem persönlichen Limit bis die Beine schwer werden. Am nächsten Tag reicht es schon wieder zu einem Ausflug mit einem Freund um einen neuen Platz am anderen Ende meines Bezirkes zu entdecken und durch die Stadt zu marschieren und ein bisschen zu demonstrieren. Ich treibe erneut Sport am Abend, trotzdem schwinge ich mich am Sonntag auf meinen Scooter und fahre quer durch den Bezirk nur um noch einmal den neuen Platz und ein für mich neues Systemgastronmierestaurant zu entdecken. Es geht weiter mit einer Backstunde in der Backstube am Ostbahnhof und einem letzten Sommerspaziergang beim Fest der Lichter. Das ist Berlin, das ist die Dichte an Veranstaltungen die ich brauche und wenn jemand wirklich will das ich den Wald nach Schwarz komme dann mache ich das wirklich nie oder wir reden nochmal drüber bei 650k.

Veröffentlicht am
Kategorisiert als Blog