Mein Traum

Ein fürchterlich entspannter Tag und dann schnappte ich mir meinen Jutebeutel und zog davon, um Berlin meins zu nennen.

Ich bin etwas überrascht darüber, erst um 10 Uhr aufzuwachen. Mein Schlafrhythmus ist leicht verschoben, aber meine Schlafqualität exzellent. Forsch starte ich in den Tag und beweise Multitasking-Fähigkeiten. Die Wäsche fliegt in die Waschmaschine, ein anderer Teil kommt in die Badewanne für die Handwäsche und nebenbei gibt Spotify den Takt vor. Meine Finger wischen schnell über das Handydisplay für einen Chat.

Zum ersten Mal seit langer Zeit koche ich wieder frisch zu Mittag. Dazu mariniere ich mir Hähnchen asiatisch, würfel Paprika und gebe zugegebenermaßen eine Soße aus dem Glas dazu.

Auch nach dem Mittag bleibe ich aktiv. Ich sauge mein Zimmer, putze Schuhe und überdenke mein Sommeroutfit. Ich bestelle eine Kette und ein Armband im Internet und noch ein paar Kapseln für meine Kaffeemaschine.

Eine kurze Pause, ich bin fürchterlich entspannt und plane den weiteren Abend. Nach einer kurzen Stärkung kombiniere ich flache blaue Schuhe, helle Hose, rotes Shirt und 2 Accessoires, schnappe mir meinen Jutebeutel und ziehe los.

Erste Station ist eine Bar im Nollendorfkiez. Hier ist ab 21 Uhr zum Bingo geladen. Es ist zwar nicht sehr viel los, aber ich kenne zufälligerweise ein paar Gäste und gewinne an dem Abend auch noch einen tollen Preis gegen wenig Einsatz.

Ich ziehe weiter an den Mehringdamm. Gegen Gästeliste gibt es hier meine Lieblingsparty am Mittwoch im Schwuz. Auch hier kenne ich ein paar Leute und fühle mich sofort wohl. Irgendeine Transe angelt mich für ein lustiges Spiel. Ich werde umgetauft in Stefanie und muss eine Art Minigolf mitspielen. In ihrem Alkoholrausch verteilt sie Freikarten. 5 landen in meinen Händen. Es war ein lustiger Abend.

Dieser Abend ist nur ein Auszug aus vielen Beispielen. Nach 1,5 Jahren brauche ich mir nicht mehr die Frage stellen wann ich nun endgültig angekommen bin. Viel mehr frage ich mich, wie geht es weiter? Was ist das nächste Erlebnis, was ist die nächste Steigerung?

Anfang der Woche war ich in Leipzig. Eine schöne Stadt, das kann ich behaupten, aber im Detail betrachtet ist das nur ein Auszug. Am Bahnhof in Leipzig Miltitz versuche ich mit 2 älteren Personen in ein Gespräch zu kommen. Meine gehobene Kleidung, wegen einem Vorstellungsgespräch, betrachten sie kurz und reden nicht weiter mit mir. Auch in der Stadt fühle ich mich nicht passend. Wenig hippe Menschen, wenig Leben. Alles eine Spur weniger als in Berlin, für mich eine Spur zu wenig.

Fiese Frage im Vorstellungsgespräch. Angenommen ihr Traumjob würde auf dem Land zu finden sein, wie würden Sie handeln? Bei der Antwort umschiffe ich die Wahrheit ein wenig. Ich finde keine klaren Worte und weiß es doch.

Ich habe einen Traum und dieser besteht nicht nur aus einem Traumjob, sondern aus einem komplexen System, das sich Leben nennt.

Meinen Traum lebe ich gerade jetzt, hier in Berlin.

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